Kolumbien – im Land des weißen und schwarzen Goldes

In etwa 24 Stunden gelangen wir auf sehr einfache Weise mit lokalen Bussen von Mindo in Equador bis nach Cali in Kolumbien. Und da wir bereits nachmittags das Grenzstädtchen Ipiales erreichten, der Nachtbus nach Cali aber erst ein paar Stunden später fuhr, hatten wir sogar noch Zeit uns das Kloster Las Lajas anzuschauen. Dies ist eine mitten in ein schmales Tal gebaute Kirche und war seit dem Mittelalter ein berühmter Wallfahrtsort. Sehr hübsch und ein guter Zwischenstop vom vielen Busfahren.

In Cali, eine der großen Städte Kolumbiens, blieben wir nur einen Tag und schlenderten durch die Straßen. Bekannt ist es vor allem für seine vielen Salsaclubs, aber an einem Mittwochabend ist auch da einfach gar nichts los. Die Stadt ist dafür aber ein super Ausgangspunkt, um die eher untouristische und nicht einfach zu erreichende Pazifikküste des Landes zu besuchen. Es war nämlich gerade Walsaison und obwohl wir so viele tolle Tiere auf Galapagos erleben durften, waren die Riesen der Meere leider nicht dabei. Also sprangen wir in den Bus nach Buenaventura, um von dort direkt mit dem Boot zu einem kleinen Fischerdorf (Ladrilleros) zu gelangen. Buenaventura selbst wirkte sehr verdreckt, verfallen und auch ein bisschen gruselig – trotz oder gerade wegen einer sehr hohen Militärpolizeipräsenz. Also begaben wir uns direkt zum Hafen und bestiegen das nächste Boot.

Der Himmel zog sich ganz schön zu und wir hofften, dass das drohende Gewitter sich noch Zeit lässt, da das Boot nur so halb überdacht war. Und obwohl es wirklich nicht geregnet hat, war die folgende die schlimmste Stunde meines Lebens! Bei extremsten Seegang warf es unseren kleinen Kutter nur so über die Wellen, teilweise meterweit nach oben und mit Krachen wieder aufs Wasser. Man musste sich richtig festkrallen, und das wir pitschenass waren war auch schon egal. Dass die nahe Küste eine Steilküste war, machte auch nicht sonderlich Mut. Ich habe ja so gelitten! Nach ca. 1,5h war endlich das Ziel in Sicht – und eine kleine Entschädigung für diese Qual gab es zum Glück auch. Man konnte in der Ferne die Wale springen sehen :D! Dennoch schwor ich mir, hier ein paar Tage zu verbringen bevor ich wieder in dieses Boot steige. Mit dem Motorrad wurden wir + unser ganzes Gepäck schließlich ans Ziel gebracht und wir fanden eine günstige Unterkunft direkt am zentralen Platz des Dorfes, dem Supermarkt. Dort probierten sich die Kids mit Hütchen spielen mithilfe von Spielgeld und Deckeln von Plasteflaschen. Früh übt sich ;). Hier war jedenfalls alles etwas entspannter und das Leben läuft langsamer. Sooo angenehm. Achja, und heiß war es auch. Das angedrohte Gewitter gab es in der Nacht dann übrigens tatsächlich. Wir befanden uns in einer der regenreichsten Zonen der Erde.

Und aus irgendeinem Grund befand ich mich am nächsten Morgen schon wieder in einem Boot. Wir buchten eine Wal-Tour und mir wurde ein großes und stabiles Boot versprochen. Zu 4. plus Fahrer ging es dann in einem noch kleineren Kahn als gestern ;) wieder aufs Meer, diesmal war es aber weniger wellig – zum Glück. Dafür gab es wirklich Buckelwale zu sehen und die sogar aus nächster Nähe. Am Hafen gab es ein Schild, dass man maximal 200m an die Tiere heranfahren darf. Vermutlich hat unser Guide dies aber nicht gelesen, denn einer der Riesen schwamm sogar unter unserem Boot durch. Ein bisschen mulmig wird einem da auch, aber es war trotzdem der Wahnsinn! Soooo nah werd ich wohl nie wieder einen Wal sehen. Wir staunten, schauten und machten etwa 1000 verwackelte Fotos. Und schon hatte sich die Todesangst vom Vortag mehr als gelohnt. Die restlichen 1,5 Tage verbrachten wir an den umliegenden Stränden, die fast menschenleer waren. Wirklich sehr entspannend. Auch die Rückfahrt bei ruhiger See war Gott sei Dank gar nicht nervenaufreibend.

Das nächste Ziel unserer Reise hieß Salento. Dieser kleine süße Touristenort liegt mitten in der Kaffeeregion des Landes und ist hauptsächlich Ausgangspunkt für den Besuch einer Kaffeefarm und einen Ausflug ins Valley de Cocora. Genau dies stand auch auf unserem Programm. 3 Tage blieben wir in diesem Städtchen. Zunächst ging es früh mit dem Jeep ins Cocora-Tal – berühmt für seine riesigen Wachspalmen. Die bis zu 50m hohe Nationalpflanze des Landes ziert die Landschaft und wirkt sehr beeindruckend. Und wie ihr sehen könnt ist sie auch sehr fotogen. Wir wanderten das Tal entlang und erklommen auch zahlreiche Höhenmeter, die leider nicht wirklich mit Aussicht belohnt wurden. Trotzdem war es eine wunderschöne Wandergegend mit Bächen, Wäldern und weiten Tälern mit eben diesen stattlichen Palmen.

Außerdem durchstöberten wir die zahlreichen Souvenirshops und probierten uns abends mal am kolumbianischen Nationalspielsport – Tejo. Dieses entfernt an Boule erinnernde Spiel wird mit einer Art Metallpuck gespielt, der in einen entfernten Ring auf einer Zielscheibe geworfen werden muss. Das Besondere daran ist, dass dieser Ring mit Zündplättchen belegt ist und das Ziel darin besteht, diese zur Explosion zu bringen. Es geht also feurig und laut zur Sache und macht eine Menge Spaß. Ich glaube weniger, dass dies in Deutschland erlaubt wäre und schon gar nicht in Gebäuden ;). Aber hier spielt man es wohl überall. Am letzten Tag hier in Salento unternahmen wir eine Führung durch den Urwald von zwei sehr engagierten Menschen, die sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, den Primärwald zu erhalten und ökologisch sinnvoll zu nutzen und natürlich aufzuforsten. Sehr interessant – und wir probierten auch wilde Früchte. Nur die einheimischen Gürteltiere, die ich ja so gerne mal gesehen hätte, wollten sich uns nicht zeigen.

Abgerundet wurde unser Aufenthalt mit dem Besuch einer Kaffeefarm – natürlich mit Verkostung. Sehr lecker und auch aufschlussreich, aber eben doch irgendwie touristische Massenabfertigung.

Am selben Abend war es dann auch wieder Zeit aufzubrechen – in die Hauptstadt Bogotá. Diese empfing uns bei Ankunft erstmal mit Regen, aber wir erkundeten sie trotzdem gleich bei einer kostenlosen Stadtführung. Da die Stadt keinen besonders guten Ruf hat, waren meine Erwartungen nicht sonderlich hoch – aber ich war positiv überrascht. Das Altstadtviertel hatte ein schönes Flair mit vielen Fußgängerzonen zum Bummeln und beobachten der Straßenkünstler, die Menschen waren wie bisher überall in dem Land supernett und umrandet ist die Metropole von Hügeln, die sich für ein gutes Panorama auf die Stadt anbieten. Deshalb erklommen wir auch den Berg Monserat, auf dem sich ein Kloster befindet und den man auch mit einer Seilbahn erreichen kann. Wir dachten uns aber, dass wir die paar Stufen schon schaffen – und kamen schließlich völlig geschafft oben an. Kurz und schmerzvoll ;). Der Blick hat aber direkt wieder entschädigt für die Strapazen und oben war sogar noch eine Dose versteckt.

In Bogota gab es auch ein Wiedersehen mit Jeanne und Kevin, die wir in Peru beim Wandern kennenlernten. Kevin wohnt seit ein paar Jahren hier und Jeanne hatte es auf ihrer Reise auch gerade hierher verschlagen und so gingen wir lecker essen und tauschten Erlebnisse und Erfahrungen aus. Am nächsten Morgen besuchten wir noch ein Nationalmuseum, wo wir rein zufällig in den Genuss eines traditionellen Konzertes kamen – was doch sehr an Volksmusik erinnerte (wir waren die einzigen unter 60jährigen im Publikum…).

Nach dem Abschied von Jeanne brachen wir auch aus dem Hostel auf und begaben uns zum Flughafen, denn uns stand mal wieder Heimatbesuch bevor. Mein guter Freund Moritz aus Hamburg verbrachte seinen 2wöchigen Sommerurlaub mit uns hier :). Wir empfingen ihn fröhlich (angeblich haben wir uns gar nicht verändert!) und wechselten nur kurz das Terminal, denn es ging für uns 3 gleich weiter nach Norden: Santa Marta an der Karibikküste stand auf dem Plan. Aus dem knapp 3000m hohen Bogotá sollte es nun wieder ins Tropische gehen, und wir wurden nicht enttäuscht von den schwülwarmen Temperaturen. Gleich unser erster Ankunftsabend, den wir noch mit Essen und einem Bierchen zelebrierten, wurde aber leider auch von einem negativen Ereignis überschattet. Auf dem Rückweg zum Hostel wurden wir – nur einen Block vom Ziel entfernt – überfallen und meine Tasche mit Handy, Kamera und ein bisschen Bargeld entrissen. Obwohl wir zu dritt waren und die Täter nur zu zweit, hatten wir keine Chance, in Sekundenschnelle ist das passiert. Und da sie auch ein Messer dabei hatten, wäre es wohl auch sonst nicht gut ausgegangen. Zum Glück ist uns bis auf ein paar Kratzer nix weiter passiert und die Fotos der Kamera hatte ich Gott sei Dank in meiner ständigen Paranoia, diese zu verlieren, am Tag zuvor gesichert. Auch waren keine Kreditkarten oder Pässe in der Tasche und so war der Schreck eigentlich das Schlimmste. Vorallem war es auch noch Moritz erster Abend und ich wette er fühlte sich gleich sehr unsicher in diesem Land. Dazu muss ich aber mal sagen, dass uns bisher echt noch nix abhandengekommen ist und wir auch in anderen Ländern schon gruselige Stories gehört hatten. Nun wars halt doch passiert, aber immerhin nicht gleich am Anfang der Reise.

Wir ließen uns die Stimmung aber nicht vermiesen und nach ein paar Behördengängen am nächsten Tag fuhren wir mit dem Bus in den Nachbarort Taganga, wo wir schön am Strand entspannten und den Sonnenuntergang genossen. Am Tag darauf packten wir ein paar Sachen und machten uns auf in den wohl schönsten Nationalpark des Landes – den Tayrona NP. Ein Küstenabschnitt nördöstlich von Santa Marta, geprägt durch zahlreiche Buchten, weißen Sandstränden und tropischen Regenwäldern. Und so wanderten wir durch die Wälder bis zum Strand und dann weiter die Küste entlang. Ein paar Badepausen durften natürlich nicht fehlen. An der schönsten Bucht, in El Cabo, übernachteten wir im Zelt. Leider waren nämlich alle Hängematten, die andere Schlafalternative, ausgebucht. Das ist schon ein tolles Fleckchen Erde! Am nächsten Tag wollten wir natürlich nicht denselben Weg zurück zur Straße wandern, sondern stiegen steil bergan bis zu einem alten Dorf, dessen Häuser aus Lehmhütten mit Strohdach bestanden. Der Aufsteig war ja so heiß und schweißtreibend, aber für all die Mühe wurden wir belohnt, als wir in den Baumkronen süße kleine Äffchen rumtollen sahen. Wie niedlich! Wir erreichten irgendwann auch die Straße und fuhren mit dem Bus in das kleine Hippiestädtchen Palomino, in dem wir in einem Hostel mit Pool einen Tag blieben und uns beim Billard, am Pool, am Strand und beim Schachspielen schön erholten :).

Weiter zog es uns dann in Richtung Westen an der Küste entlang – in die Kolonialstadt Cartagena. Sie war eine der ersten gegründeten Städte während der spanischen Kolonialzeit und gilt als eine der schönsten Städte des Kontinentes. In der hübschen Altstadt, die von einer Stadtmauer umrandet ist, lässt es sich wunderbar in den Gassen flanieren. In den Parks werden traditionelle Tänze aufgeführt, in den Straßen fahren Kutschen – man merkt dass das DIE Touristenstadt des Landes ist. Trotzdem hat sie mir sehr gut gefallen, wahrscheinlich auch weil wir in der belebten Innenstadt nächtigten. Die meisten Touristen wohnen in dem Stadtteil Bocagrande, was auf einer Landzunge neben der Altstadt angesiedelt ist und auch das Miami von Cartagena genannt wird. Dort stehen Hotel an Hotel und es fühlt sich gar nicht mehr nach Südamerika an. Wir hatten an einem Abend trotzdem ne Menge Spaß dort, da sich in dem Gebiet die ganzen Casinos der Stadt befanden, die wir recht erfolgreich besuchten! Außerdem nahmen wir einen Bus zum Playa Blanca, dem angeblich schönsten Strand des Landes. Weißer Sandstrand, klares Meer mit Badewannentemperatur – nur die unzähligen Besucher störten etwas. Wir hatten dennoch einen schönen Tag dort und nahmen damit auch Abschied von der Küste.

Erneut mit dem Flieger (ist hier genauso günstig wie Busfahren) ging es als nächsten Stop nach ins dauerhaft frühlingshafte Medellin. Noch vor ca. 15 Jahren war die zweitgrößte Stadt des Landes die gefährlichste Stadt der Welt mit einer Mordrate von 380 pro 100.000 Einwohner in den schlimmsten Jahren, was hauptsächlich mit dem dort ansässigen Drogenkartell unter Leitung von Pablo Escobar zusammenhing. Doch auch nach der Auflösung des Kartells gab es vorallem in den ärmeren Vierteln viele blutige Kämpfe zwischen den Guerillas und dem Militär. Erst vor etwa 10 Jahren sind diese Zahlen drastisch gesunken.

Inzwischen hat sich allerdings viel getan im Kultur- und Infrastrukturbereich, so wurden z.B. durch die Einführung des Ubahn-netzes und einer Seilbahn die verschiedenen Viertel besser vernetzt und in den armen Gegenden wurde viel in den Bau von Schulen und Kulturzentren investiert. Bisher scheinbar erfolgreich, so wurde die Stadt vor zwei Jahren mit dem Titel „innovativste Stadt der Welt“ ausgezeichnet. Bei einer sehr interessanten Stadtführung wurden wir in diese sehr spannende Geschichte der Stadt und seiner Einwohner, den Paisa, eingeführt. Und auf dieser Tour lief uns doch tatsächlich sogar der amtierende Bürgermeister über den Weg, der uns sofort freundlich grüßte und auch gleich für ein Gruppenfoto zu haben war. Wie aufregend!

Auch sehr spannend war eine Polizeikontrolle bei einem Ausflug in das nahegelegene Örtchen Guatape. Da in Kolumbien scheinbar eine Mitführungspflicht des Reisepasses herrscht, wir aber aufgrund einschlägiger Erfahrungen diesen lieber im Hostel gelassen hatten (wie übrigens 80% der anderen Touristen im Bus ebenso), durften wir aussteigen und uns in Reih und Glied aufstellen. Dann wurden wir von Polizisten (in Militäruniform inklusive Maschinengewehr) abgetastet und unsere Sachen durchsucht. Tinas Handcreme wurde sehr lange beschnuppert und beäugt und auch Moritz sein Taschenmesser wurde gleich mit einem „das geht nicht“ gerügt, bevor man es ihm wieder in die Hand drückte (?!). Wir durften dann auch alle weiterfahren. Im Nachhinein sehr lustig, aber erstmal wird einem schon mulmig. Der Ort selbst ist inmitten einer Seenlandschaft gelegen und ein fast künstlich wirkender Hügel bietet eine wunderschöne Aussicht auf die Landschaft. Die Stadt ist liebevoll gestaltet und lädt zum Verweilen ein.

 

Nach einem letzten Abend in Medellin ging unsere Zeit in Kolumbien bereits wieder dem Ende entgegen und wir brachen in Richtung Bogotá auf. Allerdings nochmal mit einem Zwischenstop in der Kaffeeregion, diesmal in Salamina.

Von der Größe und Art her fast genauso wie Salento, aber mit ganz viel weniger Touristen. Umso überschwenglicher waren auch die Menschen uns zu sehen, begrüßten uns herzlich und freuten sich riesig über Touristen. Das kann man sich in Deutschland so gar nicht vorstellen. Diesmal besuchten wir eine kleine familiäre Kaffeefarm, die uns viel besser gefallen hat und wo wir sogar unseren eigenen Kaffee rösten konnten. Ihr seht es auf den Bildern – und ich sage euch geschmeckt hat es fantastisch!

Nun ging es aber endgültig zurück in die Hauptstadt und unseren letzten Tag des Landes verbrachten wir in einem Polizeimuseum und abends in den Bars der Stadt. Auch hier ist uns wieder die Gastfreundschaft so sehr aufgefallen, die das Land einfach ausmacht.

 

Nach dem Zwischenfall in Santa Marta waren wir sicher übervorsichtig und vielleicht manchmal auch etwas ängstlich, aber trotzdem kann ich Kolumbien als Reiseland sehr empfehlen. Am besten fährt man aber mit ein paar Spanischvorkenntnissen hin, denn Englisch hilft in den meisten Fällen nicht viel weiter. Und nur so kommt man auch ein wenig mit den Menschen in Kontakt. Der Abschied aus Kolumbien bedeutet für uns auch gleichzeitig den Abschied aus Südamerika nach über 6 Monaten. Die Zeit verging wie im Flug auf diesem kulturell und landschaftlich so faszinierendem Kontinent. Wir haben so viele Orte gesehen, die wir nochmal besuchen wollen und es gibt dort noch viele Gegenden, die wir noch kennenlernen wollen. Es war eine erlebnisreiche und tolle Zeit – und wir werden sicher irgendwann wiederkommen!

Nun geht’s aber erstmal weiter in Richtung Miami, was den Abschied nicht ganz so schwer macht :).

Bis bald!

Eure Anne

Eine Reise zum Mittelpunkt der Erde – Wir in Equador

Nach ein paar Strandtagen in Peru hieß es nun „Willkommen in Equador“. Der erste Halt war Quito. Damit übersprangen wir zwar viele beliebte Reiseziele, aber bei so einem kleinen Land wie Equador ist das halb so wild. Man kann alles ziemlich schnell erreichen. Nach Quito ging es nur, da es hier die besten Last-Minute-Deals zu den Galapagosinseln gibt. Und wir hatten auch Glück und fanden ein ziemlich gutes Angebot für eine 1 wöchige Kreuzfahrt. Da die Reise erst in 3 Tagen losging hatten wir also noch genügend Zeit Quito, die Hauptstadt des Landes, kennenzulernen. Besonders die Altstadt hat es in sich. Viele Kolonialbauten, Kirchen und Plätze. Dies würdigte auch die UNESCO und erklärte es 1978 (zusammen mit Krakau) zur ersten Weltkulturerbestadt. Besonders lehrreich fand ich einen Ausflug zur Äquatorlinie, welche fast durch Quito verläuft. Dort gibt es ein Monument und viele Ausstellungsräume. Ist zwar sehr touristisch, aber gut gemacht. Etwas versteckt, aber viel besser als das, ist ein kleines Museum, wo man neben den verschiedenen Kulturen des Landes auch noch Physik anschaulich beigebracht bekommt. So sahen wir z.B. wie Wasser am Äquator einfach gerade nach unten läuft. Sogar schon 1 m nach Nord und das Wasser drehte sich, wenn man den Stöpsel zieht gegen den Uhrzeigersinn und umgekehrt, wenn man sich nach Süden bewegt. Anne hatte davon mal gehört und jetzt hatten wir auch den Beweis dafür. Dies und viele andere Experimente wurden vorgeführt und brachten das ein und andere Staunen hervor.

Nach 3 Tagen hieß es dann endlich: Auf nach Galapagos. 4 Uhr standen wir auf, fuhren zum Flughafen und waren 9 Uhr schon am Ziel angelangt. Dort hieß es dann noch etwas warten bis auch die letzten Mitreisenden eingetrudelt waren. Dann ging es zum Pier. Bereits dort konnten wir die ersten Tiere Bestaunen: Krabben, Seelöwen und Leguane. 11 Uhr waren wir dann an Bord und bezogen unsere Kabine. Nach einer kurzen Fahrt und Mittagessen ging es erstmals an Land. Im Nachhinein eine der schönsten Inseln für mich. Es wimmelte nur so von Vögeln. Fregattenvögel, wo sich die männlichen Vertreter durch einen roten Halssack auszeichnen, fand ich besonders toll. Man bedenke, dass einige auch einen kaputten Sack (also nicht aufgeblasen) hatten. Dieser Sack wurde von anderen Männchen zerstört. Das Problem: Der Sack dient als Balzritual. Somit haben diese Männchen keine Chance mehr im Leben ein Weibchen abzubekommen. Schon traurig. Zum Glück ist es bei uns Menschen nicht ganz so kompliziert J Und dann gab es noch die Blaufußtölpel. Oh ja, die Füße waren leuchtend blau. So cool. Am liebsten hätte ich mir einen mitgenommen. Im Englischen heißen die übrigens Boobies. Dem entsprechend gab es auch T-Shirts zu kaufen mit dem Aufdruck „I like Boobies“! (für die, die der englischen Sprache nicht ganz mächtig sind: Ich mag Brüste!). Wir machten tausende Bilder auf der Insel. Die Vögel beachteten uns gar nicht. Sie bewegten sich nicht. Als wären wir gar nicht da. Neben Vögeln gab es hier, wie so gut auf jeder Insel noch Seelöwen und Leguane. Die Seelöwen hielten sich nirgendswo an irgendwelche Regeln. So lagen sie quer auf unseren Trampelpfaden umher, liefen oft super nah an uns vorbei und spielten mit uns ohne Angst zu haben beim Schnorcheln im Wasser. Ach war das toll mit dem Schnorcheln. Das erste Mal hatte ich noch etwas Angst als ein Seelöwe ankam, aber das war total unbegründet. Sie schwammen um uns herum, neckten uns und jedes Mal wenn man dachte man kann einen streichen, war er auch schon wieder weg. Wenn ich gerade schon mal beim Schnorcheln bin, dann kann ich auch gleich dabei bleiben. Wisst ihr wie Pinguine schwimmen? Voll putzig und viel zu schnell. Da hat man einen gesichtet und schwups die wups war er auch schon wieder weg. Ansonsten sahen wir viele Rochen, Haie, viele viele bunte Fische und zum krönenden Abschluss: mehrfach Riesenschildkröten die langsam durchs Wasser schwebten. Die Tierwelt war einfach nur atemberaubend. Ich hätte noch so viel länger hier bleiben können.

Jeden Tag hatten wir neben 1-2 Schnorchelstops auch 1-2 Landgänge auf verschiedensten Inseln. Die Vegetation änderte sich und mit ihr die Tierwelt. So sahen wir Flamingos, Meeresleguane und Pelikane auf den „feuchteren“ Inseln und Landleguan, kleine Echsen, Finken und andere Vögel auf den „trockeneren“ Inseln. Seelöwen gab es dagegen überall. Das was ich hier erlebt habe ist schwer in Worte zu fassen. Seht euch einfach die Bilder an und dann versteht ihr vielleicht auch warum.

Die Woche verging wie im Fluge. Leider. Das Schiff war super, das Essen schmeckte und das wichtigste: Es war ein einmaliger Trip, der mir immer in Erinnerung bleiben wird.

Zurück in Quito machten wir uns auf Richtung Süden nach Banos (was übrigens übersetzt Badezimmer/Toiletten heisst). Leider war das Wetter dort sehr durchwachsen. Zumindest hatten wir beim Wandern zu einem Aussichtspunkt mit großen Schaukeln Glück. Davor und danach regnete es. So entschieden wir uns auch nicht eines der berühmten Thermalquellen zu besuchen und machten uns stattdessen auf nach Latancunga, wo wir auf besseres Wetter hofften. Latancunga ist der Ausgangsort für Besichtigungen des Vulkans Cotopaxi. Als wir dort jedoch ankamen und nach einer Tour dorthin fragten, wurde uns erzählt, dass eine Besichtigung aktuell nicht möglich ist. Der Vulkan sei heute Morgen ausgebrochen. Irgendwie klang es ja schon interessant. Ich wollte schon immer mal einen ausbrechenden Vulkan sehen. Aber aufgrund von starker Bewölkung und Regen war eine Sicht auf den nicht einmal 20 km entfernten Vulkan nicht möglich. Und als wir am nächsten Morgen erstmal einen anderen Ausflug machen wollten, stellten wir auch noch fest, dass die Stadt evakuiert wird. Also machten auch wir uns auf und sprangen in den nächsten Bus gen Norden.

Das Ziel war Mindo, unweit von Quito. Mindo liegt nicht so hoch wie Quito und ist bekannt für seine Flora und Fauna. Schöne tropische Wälder, Berge, Wasserfälle…und dazu noch tausende Schmetterlinge und Vögel. Natürlich gingen auch wir auf Vogelschau. Und so beobachteten wir bim Frühstücken zahlreiche Kolibriarten und andere Vögel. Das war toll. Das war so schön, dass wir uns am Nachmittag noch mal an die gleiche Stelle setzten und die Vögel beobachteten. Was die Schmetterlinge angeht, entschieden wir uns in eine Schmetterlingsfarm zu gehen. Hier beobachteten wir Schmetterlinge beim Schlüpfen und dann natürlich beim Fliegen und Relaxen. Besonders schön waren die bis 10 cm großen Schmetterlinge. Man konnte mit etwas Banane am Finger diese sogar auf den Finger nehmen. Das war nicht nur cool, sondern auch ein schönes Fotomotiv. Um aber auch mal noch was anderes in der Region zu sehen, gingen wir mal wieder wandern. Das Ziel war ein Wasserfall. Dort hätte man auch aus 13 m ins Tiefe springen können. Das getrauten wir uns dann aber doch nicht. Stattdessen nahmen wir auf ganz normale Art eine Erfrischung im kühlen Nass.

Und dann war unsere Zeit hier auch schon wieder vorbei. Und da das unser letzter geplanter Halt in Equador war, ging es von hier in einer Tagesfahrt bis zur kolumbianischen Grenze.

Wenn ich die 2 ½ Wochen in Equador Revue passieren lasse, dann muss ich sagen, dass das Highlight zweifelsohne die Galapagos-Inseln waren. Die 1 Woche hat zwar ein tiefes Loch im Portemonnaie hinterlassen, aber das war es allemal wert. Das ist etwas was ich jedem empfehlen kann, egal ob jung oder alt. Leider hatten wir mit dem Wetter und aufgrund von Naturgewalten im Rest des Landes etwas Pech, sonst wäre der Aufenthalt hier sicher etwas länger und von mehr Erfahrungen geprägt gewesen. Aber wer weiß wofür das gut war. So haben wir halt etwas mehr Zeit in Kolumbien. Über unsere Erlebnisse dort werden wir natürlich auch wieder berichten.

In diesem Sinne, bis bald

Tina

PS: Wie ihr ja wisst, sind wir bereits wieder im Alltag angekommen. Den Blog werden wir aber natürlich noch beenden.

Quer durch Peru – Unterwegs auf den Spuren der Inkas

Hallo liebe Leser!

In Copacabana stiegen wir in den Bus und überquerten bereits wenige Minuten später die Grenze nach Peru. Dies war mal wieder ein sehr unkomplizierter Grenzübergang – das macht echt Spaß hier in Südamerika :). Immer weiter am See entlang fuhren wir bis nach Puno, wo wir aber nur kurz zum Umsteigen hielten. Unser Ziel war Arequipa, die zweitgrößte Stadt des Landes und auch „die weiße Stadt“ genannt – so wie Sucre in Bolivien. Tatsächlich hatte sie einen ähnlichen Charme. Im Bus trafen wir Jonas aus der Schweiz und wir stiegen alle 3 im selben Hostel ab. Arequipa hat einen wunderschönen Marktplatz und nicht nur die zahlreichen bemerkenswerten Kolonialbauten tragen zum Flair bei, sondern auch die umliegenden Vulkane. Abends ist die Kathedrale der Stadt herrlich beleuchtet und viele Cafés am Platz laden zum Verweilen ein. Übrigens befanden wir uns gerade mitten in der Endphase der Copa America, der Fussballmeisterschaft. Peru stand im Halbfinale. Natürlich fieberten wir fleissig mit beim Public Viewing am Plaza de Armas– leider erfolglos, da Chile das Spiel gewann.

Hauptgrund für unseren Stop hier war aber eigentlich ein anderer – wir wollten nämlich den Colca Canyon erkunden. Angeblich der 2. größte der Welt – obs stimmt können wir nicht so genau sagen. Nach einem Tag Stadtrundgang und leckerem peruanischen Essen ging es also los in Richtung Cabanaconde, welches ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen in die Schlucht ist. Jonas begleitete uns. Bereits die Fahrt dahin war malerisch. Im Hostel wurden wir herzlich empfangen und mit allen nötigen Infos über das bevorstehende Abenteuer versorgt. Zudem trafen wir noch 3 andere Leute, die sich uns anschließen wollten.

Am nächsten Morgen ging es aber erstmal zum Condor-Lookout, von dem man die riesigen Vögel aus gut beobachten konnte. Ein schönes Schauspiel! Danach wurden aber die Wanderstiefel geschnürt und wir machten uns an den Abstieg ins Tal. Über 1000 Höhenmeter liefen wir steil bergab in praller Sonne und kamen abends an einem kleinen Hostel an. Bereits den ganzen Tag hatten wir darauf Vorfreude, denn es gab warme Thermalbecken natürlichen Ursprungs. Wir stürzten uns begeistert in die Fluten und weichten gut 2 Stunden durch :D. Jonas und wir waren übrigens die einzigen Gäste, die nicht aus Frankreich waren, vermutlich machen die französischen Reiseführer gut Werbung ;).

Am folgenden Tag mussten wir leider erstmal ein ganzes Stück bergan, nur um dann alles wieder ins Tal zu wandern. Dafür liefen wir die Schlucht entlang, hatten spektakuläre Ausblicke, besuchten die abgelegensten Dörfer und hatten einen netten tierischen Begleiter, den wir Pedro tauften und der uns auf Schritt und Tritt folgte. Belohnung am Ziel war eine Oase und ein Hostel mit Swimmingpool. So langsam steigen unsere Ansprüche an Wanderungen, wenn wir hier weiter so verwöhnt werden.

Das schlimmste Stück stand uns aber noch bevor – der Aufstieg. Ich weiß schon, warum ich es lieber mag auf Berge zu laufen, da ist die Qual wenigstens schnell geschafft ;). Frühzeitig liefen wir nach einem mageren Frühstück los, um der Mittagssonne zu entgehen und kamen 3 Stunden später völlig geschafft oben im Ort an. Als Belohnung gönnten wir uns ein ausgiebiges 2. Frühstück :D. Wir hatten wohl auch ne Menge Glück mit dem Wetter, denn nachmittags fing es an zu regnen und am nächsten Morgen waren alle Gipfel oberhalb des Ortes weiß. Ein seltenes Schauspiel in dieser extrem trockenen Gegend!

Zurück in Arequipa ging es für uns direkt am nächsten Tag weiter nach Cusco, der ehemaligen Hauptstadt der Inkas und Touristenmagnet des Landes. 3300m hoch in einem Talkessel in den Anden gelegen befindet sie sich zum einen in einer tollen Umgebung und ist Ausgangspunkt zum Machu Picchu und dem heiligen Tal. Aber auch architektonisch ist sie für mich die schönste Stadt Perus. Da es uns dort so gut gefiel und wir uns vor der nächsten geplanten Wanderung noch ein wenig erholen wollten, blieben wir ein paar Tage. Bei einem Stadtrundgang erfuhren wir z.B., dass es hier ganze 39 Kirchen gibt und der Name Cusco übersetzt aus der Sprache der Inkas (Quechua)“Nabel der Welt“ bedeutet. Außerdem besuchten wir die umliegenden Inkastätten, von denen Saksaywaman am beeindruckendsten war. Und wie in fast jeder größeren südamerikanischen Stadt gibt es auch hier eine Christo-Statue, die vom Berg auf die Stadt blickt.

Nach ein paar Tagen hieß es aber wieder ab in die Natur! Wir hatten eine Tour für den Salkantay-Trek gebucht, der uns in 5 Tagen und ca. 60km zum Machu Picchu führen sollte. Der bekannte Inka-Trail ist nämlich immer schon mindestens 6 Monate vorher ausgebucht und kostet zudem ein Vermögen, so dass wir uns für diese Alternative entschieden. Laut National Geographic ist dies eine der 25 schönsten Wanderungen weltweit.

Voller Vorfreude brachen wir also auf. Unsere Gruppe war riesig, was aber nicht weiter schlimm war, da je eh jeder sein Tempo läuft. Und diesmal hatten wir den Luxus, dass uns nicht nur die Zelte und das Essen getragen wurden, sondern auch noch 5kg persönliches Gepäck. Dafür gab es nämlich Pferde. So konnten wir leichtbepackt losziehen und dies war auch gut so, schließlich sollten wir einen Pass auf 4650m Höhe überqueren. Und da wird die Luft schon etwas dünner. Wir hatten wieder traumhaftes Wetter, genossen die herrlichen Ausblicke, die schneebedeckten Berge und weiter im Tal die grünen Wälder und (sub)tropischen Pflanzen. Die Leute und die Stimmung unterwegs waren super, und als Abwechslung zum Wandern gab es auch einen Nachmittag Entspannung in den heißen Quellen in Santa Teresa (nach 3 Tagen Wandern ohne Dusche auch aus anderen Gründen eine Wohltat ;) ) mit anschließender Lagerfeuerparty. Außerdem konnten wir „Ziplinen“, d.h. an einem Seil quer über das Tal fliegen. Das hat viel Spaß gemacht!

Nach 4 Tagen kamen wir schließlich in Aquas Calientes, dem Ort am Fuße des Berges am Machu Picchu, an. Am nächsten Morgen hieß es dann 4 Uhr aufstehen, um 5 Uhr an der ersten Ticketkontrolle sein und schließlich ca. 1700 Stufen in der Dunkelheit bergan laufen. Was tut man nicht alles, um vor den Massen und pünktlich zum Sonnenaufgang oben zu sein. Um 6 Uhr gings dann hinein in die heilige Stätte, die im 15. Jhd. auf 2400m erbaut wurde. Und schön wie aus dem Bilderbuch strahlte uns die Inkastadt entgegen. Wir bekamen noch eine kleine Tour, dann verabschiedete sich unser Guide und wir hatten den ganzen Tag Zeit alles zu erkunden. 1700 Stufen waren uns aber noch nicht genug, wir wollten noch weitere 2600 auf den Machu Picchu Mountain steigen, von dem man einen tollen Blick auf die Stadt und die komplette Umgebung, inklusive dem Salkantay, hat. Die wahrhaft größte Qual des ganzen Trips hat sich aber wirklich gelohnt, denn die Aussicht war fantastisch :D. Ich nahm wahrscheinlich ungefähr 100Mal dasselbe Bild auf, welches man auch von Postkarten kennt und wir erkundeten die Stätte noch ein wenig. Ein unglaublich toller Tag. Beim Abstieg wurden wir zwar doch noch vom Regen durchweicht, aber nach 4,5 Tagen mit bestem Wetter war das leicht zu verschmerzen.

Mit dem Zug ging es dann zurück in Richtung Cusco – übrigens das einzige Verkehrsmittel, um zum Machu Picchu zu gelangen, wenn man nicht laufen mag. Dementsprechend sind die Preise auch unverschämt hoch, so dass die Deutsche Bahn dagegen ein richtiges Schnäppchen ist. Nichtsdestotrotz gibt es in der Hochsaison täglich über 4000 Besucher. Obwohl es meiner Ansicht nach nicht überlaufen wirkte, sprechen Naturschützer und Archäologen von einer Gefahr für die Weltkuturerbestätte durch zu viele Besucher. Es wird gesagt, dass man auf Dauer die Besucherzahl auf max. 250 pro Tag einschränken müsste, um dauerhafte Schäden für den Berg und die Ruinen zu vermeiden. Da das Besucherinteresse aber stattdessen immer weiter zunimmt und somit auch die Eintrittspreise in die Höhe schießen, kann ich mir kaum vorstellen, dass dies bald umgesetzt wird.

Erst gegen Mitternacht kamen wir zurück ins Hostel und außer Schlafen, Essen und Massieren lassen machten wir am folgenden Tag einfach NICHTS. Tat das gut! Die Tour war aber super und eins meiner Highlights in Südamerika.

Nur eine Nachtfahrt von Cusco entfernt an der Küste befindet sich der Ort Nasca. Völlig ab vom Schuss und in der Wüste gelegen hätte er so gar keinen Reiz, wären da nicht die berühmten und rätselhaften Linien entdeckt wurden. Diese sind ca. 30cm breit und bilden jeweils in nur einer Linie zahlreiche bis zu 200m große Figuren ab, z.B. einen Baum, eine Hand, eine Spinne und einen Affen, die man aufgrund ihrer Größe im Grunde nur aus der Luft erkennt. Erforscht wurden sie von einer Dresdner Wissenschaftlerin, Maria Reiche, welche diese freischaufelte und ihre Positionen berechnete. Der Urspung und vorallem der Grund dieser über 1500 Jahre alten mysteriösen Zeichen in der Wüste, die aus der Nasca-Kultur stammen, ist aber noch immer nicht komplett erklärbar. Es gibt etliche Theorien. Wir stoppten hier nur kurz, um die lange Fahrt nach Lima zu unterbrechen und schauten uns die Linien von 2 verschiedenen Aussichtspunkten an. Außerdem besuchten wir das Museum. Den empfohlenen Flug, um die Linien bestmöglich zu bestaunen, schenkten wir uns lieber und unsere empfindlichen Mägen waren uns bestimmt sehr dankbar!

Weiter ging es für uns am selben Abend mit dem nächsten Nachtbus in die Hauptstadt Lima, die an der Küste liegt, im Winter aber immer in eine graue Nebelschicht gehüllt ist. So bekamen wir in den 1,5 Tagen auch keine Sonne zu sehen und alles wirkte etwas trist. Wir erkundeten das historische Zentrum und den Stadtteil Miraflores mit seiner schönen Steilküste und zahlreichen Fallschirmseglern – und da wir zufällig mal an einem Samstagabend in einer Stadt waren auch noch das Nachtleben. Besonderen Reiz hat Lima für mich nicht, das Highlight war noch ein riesiger Straßenumzug mit unzähligen Kostümen anlässlich des sich nähernden Nationalfeiertags. In Peru wirkt im Grunde ständig gefeiert und traditionelle Tänze und Kleidung bevölkern die Straßen und Plätze fast jeden zweiten Tag. Ein sehr fröhliches Völkchen :).

Mit dem nun 3. Nachtbus fast in Folge fuhren wir wieder ins Gebirge nach Huaraz, die Hauptstadt der Andengebirgsreihe Cordillera Blanca. Dies ist nach dem Himalaya die zweithöchste Gebirgskette der Welt mit über 50 Sechstausendern und angeblich die schönste Wandergegend des Landes. Da mussten wir natürlich hin! Kennt ihr den Berg aus dem Trailer von Paramount Pictures, der vor den Filmen immer eingespielt wird? Dieser befindet sich genau hier.

Eine letzte Mehrtageswanderung unternahmen wir hier, aus Bequemlichkeit und guter Erfahrung wieder mit einer Tour. Außerdem hatten wir unser Zelt bereits in Cusco gelassen, da wir es seit Monaten nur noch sinnlos mitschleppten. Vier Tage lang liefen wir den Santa Cruz Trek, dessen höchster Pass nochmal ein bisschen höher war als der Salkantaypass. Bei erneut perfektem Wetter und traumhafter Kulisse war auch dies eine unvergessliche Wanderung. Diesmal half bei mir allerdings das Kauen von Cocablättern nichts und ich spürte die Höhe extrem. Nur langsam ging´s voran und jeder Schritt auf den Pass war eine Qual für meine Lunge. Umso schöner war es, als wir oben ankamen und den Rundumblick genießen konnten. Die nächsten 2 Tage ging es nur noch bergab und die Landschaft wechselte oft. Natur ist sooo schön. Trotz mittelmäßigem Guide, dessen einziges Utensil auf der Wanderung eine Plastiktüte mit einer Flasche Pisco war und der immer vor der Gruppe lief, waren es 4 schöne Tage mit netten Leuten.

Nun hatten wir aber genug vom Wandern und so ging es (seit Brasilien das erste Mal wieder!) ab an den Strand, zunächst nach Huanchaco. Dies ist ein Surferort unweit nördlich von Lima, weshalb das Wetter sich auch ähnlich grau in grau zeigte. Deshalb erkundeten wir nur die nahegelegenen Ruinen ChanChan aus der Prä-Inka-Zeit und fuhren bald weiter nach Mancora ganz im Norden des Landes. Der angeblich einzige Küstenort Perus mit ganzjährig Sonnenschein beheimatete uns für 3 Tage. Wir feierten hier den Nationalfeiertag des Landes, nahmen eine Surfstunde bei riesigen Wellen und entspannten uns von den letzten Wochen am Pool und am Strand.

Dies war ein würdiger Abschied in Peru, wo wir mal wieder viel länger als geplant blieben. Dennoch haben wir nur einen Bruchteil des Landes entdeckt und z.B. das riesige Amazonasgebiet aus Zeitgründen komplett weggelassen. In diesem Land gibt es wirklich für jeden Geschmack etwas zu entdecken – uns hat es besonders die Andenregion angetan. Auch leben die Menschen da noch sehr traditionell, in wunderbar bunten Kostümen – und es wird viel gefeiert. Kultur und Tradition werden gelebt (so sprechen z.B. fast alle Peruaner in den Anden noch Quechua als erste Sprache) und es macht Spaß, wenn auch nur als Zuschauer, in diese Welt einzutauchen und die Geschichte hautnah anhand der zahlreichen Überbleibsel zu entdecken.

Nach fast 5 Wochen wird es nun aber Zeit ins nächste Abenteuer aufzubrechen – nach Equador.

Mehr dazu bald!

Liebe Grüße,

Eure Anne

Bolivien – Land der Salzwüsten, hohen Berge, tiefen Dschungel und riesigen Seen

Auf geht es nach Bolivien! Nachdem wir am frühen Morgen die Grenze passiert hatten, konnte unsere Wüstentour in Richtung Salar de Uyuni so richtig los gehen. Mit an Bord waren 2 weitere Deutsche und unserer cooler Guide, der entgegen unserer Erwartungen perfekt Englisch konnte und auch noch Ahnung von der Geologie hatte. Das nennt man mal einen Glücksgriff. Und so fuhren wir in 3 Tagen quer durch die Wüste. Zum Glück sagte uns eine nette Kanadierin aus unserem Hostel in San Pedro de Atacama, das wir mal lieber die FlipFlops und Shorts wieder einpacken und stattdessen Handschuh und Mütze anziehen sollen. Anne und ich dachten, dass es in der Wüste warm ist. Pustekuchen. Es war saukalt. Das lag an der Höhe und den starken Winden. So befanden wir uns die ganze Zeit zwischen 3400m und 4900m. Da wurde die Luft schon ganz schön dünn, v.a. wenn man es wie wir nicht gewöhnt ist. Zum Glück haben wir uns ja auch nicht viel bewegt und fuhren die meiste Zeit im Auto von A nach B. Das einzige Problem bei uns beiden waren lediglich Kopfschmerzen, die trotz Kokatee und Schmerztabletten nicht zu bekämpfen waren. Uns ging es da aber noch besser als anderen. So brauchte der eine Deutsche mehrfach die Sauerstoffflasche und beschrieb die Nacht als die schlimmste seines Lebens. Nun zur Tour. Am 1. Tag fuhren wir an durch eine wunderschöne Wüstenlandschaft umgeben von 5000der Bergen, hielten an einer grünen und roten Lagune, sahen dort auch ganz ganz viele süße Flamingos und Vigunas (wild lebende Lamas), gingen in heißen Quellen bei gefühlten Minusgraden draußen baden und bestaunten stinkende Geysire. Am 2. Morgen wurden wir dann von Schnee überrascht. Und dabei schneit es hier im Durchschnitt weniger als 1x pro Jahr. Was für ein Pech. So konnten wir leider nicht alles so wie gewollt sehen, aber irgendwie sieht so eine Winterlandschaft auch gut aus. Am Nachmittag als dann die Sonne heraus kam, war es das dann auch schon wieder mit dem Schnee. Besonders schön empfand ich heute eine wilde durch Wind und Temperaturunterschiede geschaffene Felsformation mit u.a. natürlichen Fenstern, wo man richtig schön rumtollen konnte. Abends kamen wir gerade noch im hellen in unserer Unterkunft, einem Salzhotel an, welches von oben bis unten aus Salz gebaut war. Ich fand es ganz nett, auch wenn ich mit einen anderen Fußbodenbelag gewünscht hätte. Das Essen war dort, wie auch auf der gesamten Tour sehr gut, zumindest für uns. Die beiden anderen Deutschen mit uns waren veganer und so bekamen sie anstatt Fleisch Hühnchen serviert, was laut der Einheimischen ja auch kein Fleisch ist, oder bekamen Rührei. Die Armen. Aber sie haben sich es ja auch selber ausgesucht. Hätten sie strikt vegan gegessen, hätten sie glaube die ganze Zeit trocken Reis essen müssen. Am letzten Tag wartete dann das Highlight der Reise auf uns: die Solar die Uyuni, die weltgrößte Salzwüste. 5 Uhr morgens ging es für 2 Stunden im Dunkeln bis in die Mitte der Salzwüste, wo sich eine kleine Insel befand, von welcher wir den Sonnenaufgang bestaunten. Und dort gab es dann auch noch Kakteen, die einfach nur gigantisch waren. Einige waren fast doppelt so groß wie wir! Und der Ausblick: traumhaft. Wohin das Auge reichte glänzte alles in weiß. Und das Fotoshooting hat auch super Spaß gemacht. Wir fanden dann sogar noch ein Stück Salzwüste mit Flüssigkeit, wo sich alles darauf spiegelte. Wir hielten noch in einer Werkstatt, wo Salz hergestellt wurde und bei einem Zug-Friedhof und dann war die Reise auch schon wieder zu Ende.

 

Als wir nach 3 Tagen in Uyuni ankamen, waren wir nicht gerade entzückt von der Stadt und so entschieden wir uns gleich weiter nach Potosi zu reisen. Potosi war im 16./17. Jahrhundert aufgrund der dortigen Silberminen eine der reichsten Städte der Welt. Heute ist die Stadt noch durch zahlreiche schöne Kolonialhäuser aus dieser Zeit geprägt, aber ansonsten herrscht hier große Armut. Die Stadt ist heute vielmehr als die höchste Stadt der Welt bekannt (liegt auf 4100m). Und traurige Berühmtheit sind hier die Silberminen und Minenarbeiter. Angeblich könnte man mit dem Silber, was hier gefunden wurde, eine Brücke bis nach Spanien bauen und mit denen in den Minen ums Leben gekommenen Arbeitern eine Brücke zurück nach Bolivien. Natürlich waren auch wir neugierig und buchten eine Minentour. Die Arbeitsbedingungen waren katastrophal. Kaum Schutzkleidung, Staub und dünne Luft. Um die Anstrengungen und den Hunger zu überwinden kauten hier alle Koka-Blätter und das nicht in Maßen sondern in Massen. Ich würde es mit meiner Geschwindigkeit Popcorn zu essen vergleichen.

Danach ging es auch schon weiter in die Hauptstadt des Landes, nach Sucre. Auch in dieser Stadt sieht man den typischen spanischen Kolonialbaustil. Und da dieser in weiß gehalten ist, träg Sucre auch den Beinamen „weiße Stadt“. Irgendwie hat es mir hier richtig gut gefallen. Und so entschieden wir uns auch hier eine Weile zu bleiben und Spanisch zu lernen. Wir besuchten für 1 Woche eine Schule und strebten Tag und Nacht. Ok, ich übertreibe gerade, aber wir haben echt viel gelernt. Ansonsten, wenn wir mal Freizeit hatten, verbrachten wir Zeit in den vielen schönen Kneipen und Restaurants, schlenderten durch die Straßen und besuchten Dinosaurier-Spuren, welche hier zufällig entdeckt wurden. Interessant fand ich auch ein ethnologisches Museum. Hier in Bolivien wurden sogar jetzt noch die alten Traditionen gelebt. Das wurde im Museum alles erklärt und auf der Straße „umgesetzt“. Vielleicht fand ich auch deshalb Bolivien so schön. Die Menschen trugen ihre bunten Trachten, tanzten auf der Straße, sangen…genau so hatte ich mir Südamerika immer vorgestellt!

Irgendwie verging die Woche wie im Fluge hier und da wir ja noch mehr vom Land sehen wollten fuhren wir nach 1 Woche auch schon weiter nach La Paz.

 

La Paz ist zwar groß und laut, hatte aber trotzdem seinen Reiz. So z.B. die zahlreichen Seilbahnen die verschiedene Stadtteile von dem im Talkessel gelegenem La Paz mit der darüber liegende Stadt El Alto verbinden. Die Blicke aus der Luft waren richtig schön. Und auch das Herumlaufen durch die verschiedenen Stadtteile hat Spaß gemacht. Neben einem Friseurbesuch, der auch mal wieder dringend notwendig war, verbrachten wir auch viel Zeit beim Shopping. Uns wurde zwar gesagt, dass unsere neu erworbenen Sachen aus Lama- oder Alpacawolle seien, aber da bin ich mir noch nicht mal so sicher. Was soll´s, mir gefällt es.

Wenn man sich die Lage von La Paz ansieht, dann sieht man auch die Nähe zum Dschungel. Wir wollten sowie so in irgendeinem Land hier in Dschungel und da es hier am billigsten sein soll, buchten wir kurzerhand einen Flug nach Rurrenabaque, der „Dschungelhauptstadt“ und befanden uns kurze Zeit später in einer einfachen Dschungel-Lodge wieder. Wir hatten auch das Glück die einzigen zu sein und hatten somit einen Privatguide. Der war zwar nicht wie ein typischer Indianer, sondern eher wie ein Teddybär, aber irgendwie passte das genau zu uns. So stapften wir langsam durch den Wald auf der Suche nach wilden Tieren, versuchten uns vergeblich am Piranha-Fischen, bastelten Schmuck und Anne wurde sogar als Waldfee verkleidet. Man hätte auch eine Survivor-Tour buchen können, wo man sein eigenen Essen fangen muss, seine eigene Behausung bauen muss, aber dann war ich doch lieber Prinzessin und übernachtete im Camp mit echt gutem Essen. Leider hatten wir auf der Suche nach Tieren nicht so viel Glück: die Ausbeute waren ein paar Affen, eine Tarantula, Geckos, eine Schlange, eine Art Oppossum, zahlreiche Vögel und ein Wolf. Ansonsten haben wir aber immerhin Tapir- und Jaguarspuren gesehen. Ach wie gern wäre ich einem echten Tapir begegnet. Naja, was nicht ist, kann ja noch werden. Und so machten wir uns nach der Dschungeltour auf in die Pampas, eine Feuchtlandschaft, die für ihre Tierbeobachtungen bekannt ist. Und sahen wir hier wieder Affen, zahlreiche schöne Vögel, Schildkröten, Kaimane und Alligatoren und versuchten auch mit Flußdelfinen zu schwimmen. Leider wollten die nicht so ganz mit uns schwimmen und so kamen sie immer an wenn wir im Boot waren und wenn wir im Wasser waren schwammen sie wieder davon. Schon komisch. Unser Guide hier hatte am letzten Abend sogar noch eine Überraschung für uns. Er zeigte uns eine Frucht, die auch Apfel des Dschungels genannt wird. Er schnitt sie auf und meinte, dass diese als Farbe für vorübergehende Tätowierungen genutzt wird. Komisch nur, dass das Fruchtfleisch farblos war. Wir bemalten uns erstmal, warteten ab, nichts geschah und so bemalten sich einige fleißig weiter. Am nächsten Morgen kam dann die böse Überraschung: wir hatten alle schöne oder minderschöne Gemälde auf unserer Haut und das für ca. 14 Tage! Und so flogen auch Anne und ich frisch tätowiert nach La Paz zurück. Das erlebte im Dschungel war für mich einzigartig, definitiv ein Highlight der bisherigen Reise. Ich habe es richtig genossen, würde aber das nächste Mal sicher abenteuerlustiger sein und mich meinen Ängsten bei einer „Survivor-Tour“ stellen.

 

In La Paz warteten schon 2 Freunde auf uns mit denen wir den Choro-Trail machen wollten. Das ist ein alter Inka-Weg, der von 4800m Höhe in der Nähe von La Paz auf 1900m führt und verschiedene Vegetationsstufen durchquert. Und so liefen wir in 3 Tagen 60 km. Oben auf 4800m waren nur Steine und ein paar Gräser, wir sahen Lamas und durchquerten ein paar vereinsamte Dörfer. Auf ca. 3500 stellte ich ungläubig fest, dass wir uns bereits im Wald befanden. Unvorstellbar für Europa, aber aufgrund der Nähe zum Äquator hier ganz normal. Es war wunderschön. Je tiefer wir kamen, desto dichter wurde der Wald. Wir sahen Avocados und Ananas wachsen, Mandarinenbäume und viele andere tropische Früchte. Leider muss ich aber auch gestehen, dass ich ganz schön eingerostet war und so schon am 2.Tag mit einem Muskelkater aufgestanden bin, der dann von Tag zu Tag schlimmer wurde. Zumindest war ich damit nicht die einzige. Nach 3 wunderschönen Tagen war diese Wanderung auch schon wieder zu Ende. Und mich hat mal wieder das Wanderfieber geweckt.

Nach einem Tag Erholung machten wir uns auf zum Titikakasee, dem auf 3810m hoch gelegenen größten See Südamerikas. Hier herrschte eine ähnliche Stein-Gras Vegetation wie auf dem ersten Teil der Wanderung auf dem Chorotrail. Wir hielten in Copacabana, einem süßen und relaxten Örtchen am Seeufer und fuhren von dort zur Isla del Sol, wo man eine Ruhe fand, welche ich mir schon häufig mal gewünscht habe. Wir wanderten quer über die Insel, besuchten alte Inka-Stätten, welche laut einigen Angaben die Quelle der Inkas sind und genossen die Aussichten auf die schneebedeckten Berge in der Ferne. Ach war das schön dort. Für mich ein würdiger Abschied aus Bolivien.

 

Auch wenn es im Text vielleicht nicht so herüber gekommen ist – Bolivien war für mich eines der beeindruckendsten und schönsten Länder Südamerikas. Zumindest bisher. Ich weiß ja nicht was noch kommen wird. Da die Zeit langsam knapper wird und noch 3 Länder in Südamerika auf uns warten, verabschieden wir uns nach 5 Wochen von Bolivien und werden ins Abenteuer Peru aufbrechen.

Das war es mal wieder. Bis bald.

Eure Tina

Von Ost nach West quer durch den Kontinent

In Rio waren wir am nordöstlichsten Punkt unserer Südamerikareise angelangt. Unser weiterer Plan ist, die Westküste immer gen Norden zu fahren, entlang der Anden. Deshalb stand uns nun eine Reise quer durch den Kontinent zurück an die Westküste bevor. Zunächst aber flogen wir innerhalb von Brasilien – nach Foz de Iguazu zu den Wasserfällen. Diese zählen zu den Top 10 der Welt (genauer gesagt Platz 4), was die Wassermenge angeht und ich sage euch sie sind unglaublich beeindruckend. Geografisch gehören sie zum Teil zu Brasilien und zum Teil zu Argentinien, da der Fluss Iguazu genau die Grenze bildet. Somit hat man die Möglichkeit, sie von beiden Seiten zu bestaunen. Wir machten uns zunächst auf den Weg auf die brasilianische Seite, nach Foz de Iguazu. Nach einem Regentag, den wir einfach abwarteten, ging es bei erneut strahlendem Sonnenschein in den Nationalpark. Hier sieht man die Wasserfälle sehr gut im Panorama, da man ein bisschen weiter weg steht. Und es ist unglaublich, mit welcher Wucht die Wassermassen da hinabstürzen. Aufgrund der Wassertropfen in der Luft sieht man auch fast immer einen Regenbogen, der das Naturschauspiel noch verschönert. Zudem fliegen die farbenfrohesten Schmetterlinge in der Luft herum, die alle mein T-Shirt zu lieben schienen und so trug ich sie durch den Park. Auch irgendwie süß, aber ganz schön frech, waren die vielen Nasenbären, die im Park herumspazierten. Als sie meine Wasserflasche attakierten, weil sie diese für Essen hielten, wurde mir auch bewusst, warum überall Warnschilder vor den Tieren aufgestellt waren. Unbeschadet fuhren wir aber nachmittags noch über die Grenze nach Argentinien in den Ort Puerto Iguazu– ein sehr unkomplizierter Grenzübergang. Abends spazierten wir zum Dreiländereck von Paraguay, Argentinien und Brasilien, die jeweils durch Flüsse begrenzt werden. Und neben einem Denkmal und einem kleinen Markt gabs da auch noch einen Cache :). Auch stellten wir freudig fest, dass der nördliche Teil Argentinien viel günstiger ist als der Süden!

Am nächsten Tag schauten wir uns die andere Seite der Wasserfälle an. Die argentinische Seite des Nationalparks war größer, und man kommt auch näher an die Wasserfälle heran. Neben vielen Wegen, auf denen wir die Fluten in ihrer Pracht bestaunten, gönnten wir uns auch eine Bootsfahrt. So konnten wir ganz nah heran, um nicht zu sagen hinein in die Wassermassen – und es war ein Spaß darin zu duschen :). Mit einem Jeep erkundeten wir zudem die Flora und Fauna des Parks, und obwohl sich die tollsten Tiere (Tapire, Jaguare) leider vor uns versteckten, genossen wir es sehr. Ein schönes Fleckchen Erde!

Am Tag darauf verabschiedeten wir uns nach einer Busfahrt bereits wieder aus Argentinien und fuhren nach Encarnacion im benachbarten Paraquay. Wir beide wussten nicht viel von dem Land und kaum ein Reisender, den wir trafen, hatte es in seiner Reiseroute. Aber nun waren wir einmal so nah dran, also warum nicht selbst herausfinden ob sich ein Besuch lohnt! Das gefühlt einzige Hostel der Stadt machte schonmal einen guten Eindruck. Laut Reiseführer zitiert Encarnacion sich selbst als „Perle des Südens“ und als Antwort auf Rio de Janeiro, da es eine Karnevalshochburg ist. Auch wenn die Stadt hübsch ist, ist dieser Vergleich aber schon recht weit hergeholt jedenfalls in der Nebensaison. Die Strandpromenade und auch die Innenstadt wirkten quasi ausgestorben und an das Lebensgefühl und den Charme der brasilianischen Metropole kommt es bei Weitem nicht heran. Der Grund für unseren Besuch dieser Gegend war aber sowieso ein anderer – und zwar die benachbarten Städtchen Trinidad und Jesús mit ihren Jesuitenmissionen. Die „am wenigsten besuchte Weltkulturerbestätte“ ist das touristische Highlight Paraguays – an dem Tag waren wir aber tatsächlich die einzigen Besucher! Es war deutlich zu spüren, dass der Tourismus in Paraguay noch in den Kinderschuhen steckt – nicht nur, dass sich eine Touristeninformation gerade im Bau befand, auch war trampen oder Taxifahren die einzige Möglichkeit, nach Jesús zu gelangen.

Wir zogen weiter in die Hauptstadt Asuncion, die mir nicht so gut gefiel. Die einzigen Highlights waren der riesige Markt Cuatro, auf dem man ALLES kaufen konnte und auf dem man sich fast wie in Asien fühlte und das Museum del Barro. Dort wurden die traditionellen Kostüme der einheimischen Völker Paraguays und deren Lebensgewohnheiten ausgestellt. Und auch hier konnte man wieder feststellen, dass Tourismus noch nicht im Fokus steht. Während man überall sonst in Südamerika als Tourist viel viel mehr als die Einheimischen zahlt, sind Museen in Paraquay generell kostenfrei.

Was ich ebenfalls erfrischend fand, war, dass man sich erstmals mal wieder nicht wie in Europa gefühlt hat. Nicht nur, dass hier viel mehr indigene Menschen leben, sind auch die Lebensgewohnheiten anders. Leider sieht man aber auch die Unterschiede zwischen arm und reich recht deutlich. Während die flaggenbehängten Regierungsgebäude prunkvoll glänzen, leben wenige Meter entfernt die Menschen in Slums. Und während diese Menschen sich kaum genug zu Essen leisten können, findet man in reichen Vierteln der Stadt Shoppingcenter mit ausschließlich Designerläden und zahlreiche Edelrestaurants.

Nach nur ein paar Tagen in Paraguay ging unser Länderhopping aufgrund des schlechten Wetters weiter und wir landeten wieder in Argentinien. Schließlich war die Westküste unser Ziel und als Zwischenstop sollte entweder Cordoba oder Rosario dienen. Ein (zugegebenermaßen nicht ganz zutreffender) Vergleich von Cordoba als argentinisches Detroit und Rosario als Chicago des Landes machte uns die Wahl leicht. Und in Rosario konnten wir auch endlich mal wieder Couchsurfen. Bei unserem netten Host Luciano gefiel es uns so gut, dass wir vier ganze Tage blieben und einfach mal entspannten. Die Stadt ist wohl eine der untouristischsten in Argentinien, so sehr, dass wir nur mit viel Mühe Leute fanden, die unsere Dollar wechseln wollten – und das auch nur zu einem mittelmäßigen Kurs. Dafür gibt es in Rosario schöne Parks, einen riesigen Fluss (das muss übrigens mal gesagt werden, dass europäische Flüsse ja vergleichsweise unglaublich winzig sind. Die Elbe? Da kann man ja fast drüber hopsen ;)), das Geburtshaus von Che Guevara und viele nette Menschen. Mit einem anderen Couchsurfer Marcos und seinen Freunden hatten wir einen lustigen Abend in geselliger Runde, inklusive weiterer vergeblicher Versuche, Salsa zu tanzen. Die Jungs gaben sich alle Mühe, wir sind aber glaube ich einfach hoffnungslos. Spaß hat es trotzdem jede Menge gemacht! Außerdem wurde uns beigebracht, wie man Mate richtig trinkt. Ebenso das andere Nationalgetränk Argentiniens – Fernet, nämlich gemischt mit Cola. Trotzdem nicht sonderlich lecker!

Von Rosario gings weiter mit dem Nachtbus gen Westen nach Mendoza. Obwohl in Deutschland nicht sonderlich weit verbreitet ist Argentinien ein großes Weinland. Die größte Weinregion ist die rund um Mendoza. Was liegt also näher, als mit dem Rad die Weingebiete zu erkunden? Eine sehr spaßige Angelegenheit und anknüpfend an die jährliche Tradition zuhause radelten wir bei sommerlichem Wetter (hier zieht ja nun eigentlich langsam der Winter ein) durch die tolle Landschaft umrahmt von den Anden und probierten den einen oder anderen edlen Tropfen. Auch die Stadt selbst ist ganz hübsch und von vielen kleinen und großen Parkanlagen durchzogen, in denen wir uns sonnten. Und da wir hier auch endgültig auf unserer Reise Abschied von Argentinien nahmen, mussten wir natürlich nochmal Steak essen. Sooooo gut!!

Die Busfahrt in Richtung Chile – zurück an die Westküste – unternahmen wir diesmal bei Tag, denn es gab eine traumhafte Kulisse zu bestaunen. Wir überquerten die Anden und konnten sogar einen Blick auf den höchsten Berg des Kontinentes, den Aconcagua, erhaschen. Auch die als zäh angekündigte Grenzüberquerung (Chile ist da sehr pingelig!) ging schneller als gedacht, auch wenn wir fast aus Versehen Knoblauch geschmuggelt hätten. Mehr als diesen hat man uns aber zum Glück nicht abgeknöpft, obwohl überall die Warnschilder mit Geldbußen zu sehen waren. Puh! Unser Ziel in Chile war Valparaiso, genannt Valpo, eine hügelige Hafenstadt, die bis zum Bau des Panamakanals den für Südamerika wichtigsten Hafen stellte. Da die Bedeutung der Stadt nachließ, verfiel sie nach und nach ein wenig und hatte den Ruf als eine der gefährlichsten Städte Chiles. Heutzutage ist die aber eher als Paradies für Künstler bekannt – und dies sieht man ihr auch an. Soviel Straßenkunst so konzentriert auf einem Fleck findet man sonst wohl nirgends auf der Welt. Die zahlreichen Graffitis, die zudem bunten Häuser und die interessanten Baustile aufgrund der Hanglage geben der Stadt ein einzigartiges Flair, was sich schwer beschreiben lässt. Aber es gibt ja auch Fotos :). Leider war nun hier wirklich der Herbst angekommen, was sich hier durch Nebel bemerkbar machte. War trotzdem toll. Wir erkundeten die Gassen tagsüber bei einer Free-Walking-Tour und abends mit Couchsurfer Cristofer und Judith aus Amsterdam beim um die Häuser ziehen. Cris zeigte uns außerdem das Nachbarstädtchen Vina del Mar – weniger alternativ, dafür touristischer und geprägt von Hotels, Stränden und Shoppingcentern. Es kann in Sachen Charme Valpo nicht ansatzweise das Wasser reichen!

Abends stiegen wir in den Bus in Richtung Norden für die bisher längste Fahrt meines Lebens – reichlich 24h und viele viele Filme später erreichten wir das Städtchen San Pedro de Atacama in der gleichnamigen Wüste. Auf der Fahrt wurden wir sogar ernährt: zum Frühstück, Mittag und Abendbrot gab es Waffeln und Ananassaft ;). Sehr abwechslungsreich!

San Pedro wirkt erfrischend anders als der Rest des Landes – es fehlt der europäische Einfluss. Die Einwohner sind fast alle indigen, die Häuser sind aus Lehm und fast alle in weiß gehalten und es wirkt dadurch viel ursprünglicher. Umgeben von schneebedeckten Vulkanen, Salz- und Steinwüste liegt der Ort außerdem sehr idyllisch! Deshalb ist er wohl auch ein absoluter Touristenmagnet, aber da wir ja Teil der Masse sind, störten wir uns nicht daran. Wir erkundeten das fotogene Tal des Mondes zum Sonnenuntergang, fuhren mit dem Rad in der Umgebung herum bis zu einer engen Schlucht, die sogar ebenfalls befahrbar war und gingen abends zum Highlight des Aufenthaltes hier: zum Sternegucken. Da es hier fast immer wolkenlos ist, keine großen Städte in der Umgebung sind und eine sehr klare Wüstenluft herrscht sind die Bedingungen dazu ideal. Deshalb gibt es hier auch eine der größten Sternwarten mit riesigen Teleskopen. Zahlreiche Anbieter offerieren nächtliche Touren für viel Geld, wir hatten aber im Hostel von einer Alternative gehört: ein Amerikaner bietet täglich Touren zum Sterne schauen auf Trinkgeldbasis an. Wir hatten zwar kein Teleskop, aber es war ein unglaubliches Erlebnis. Ein wenig außerhalb der Stadt hat er auf alten Autoreifen eine Art Liegewiese aus Decken gebaut und erklärte uns mit Leidenschaft, Laserpointer und einem beeindruckendem Detailwissen die Planeten und Sternbilder. Für jeden vorbeifliegenden Satelliten hatte er sogar einen Alarm im Handy. Die Beschreibung war so bildhaft, dass ich sogar die meisten Sternbilder wiedererkenne. Ein wunderbares Erlebnis – und dies war auch unser letzter Abend in Chile. Zum Abschied gabs noch einen Pisco Sour, was sich als gar nicht so einfach erwies, denn in San Pedro existieren keine Bars. Getränke dürfen nur serviert werden, wenn man auch isst – und dies ist Gesetz und wird von der Polizei allabendlich kontrolliert. Wir fanden trotzdem ein nettes Lokal, welches uns dann einfach kostenfrei Snacks auf den Tisch stellte :D.

Mit zahlreichen Unterbrechungen reisten wir nun fast 3 Monate immer wieder durch Chile und entdeckten viele unterschiedliche Highlights des riesigen Landes. Auch wenn es für südamerikanische Verhältnisse recht teuer ist, lohnt sich ein Besuch auf jeden Fall. Ich hab es genossen und freue mich nun auf unser nächstes Ziel, Bolivien. Davon werden wir natürlich auch wieder berichten.

Bis dahin, lasst es euch gut gehen und genießt den Sommer!

Eure Anne

Von Buenos Aires nach Rio

Nach einer 21 stündigen Busfahrt quer durchs Land von West nach Ost erreichten wir am frühen Vormittag Buenos Aires. Unser erster Weg führte uns bei strahlendem Sonnenschein zum Hostel. Endlich wieder Shorts und Flip Flops. Was für ein schönes Gefühl! Für den ersten Tag entschieden wir uns an einer FreeWalking-Tour teilzunehmen um einen kleinen Überblick über diese große Stadt zu bekommen. Besonders imposant fand ich die Bauwerke hier, welche an europäische Prunkbauten aus dem 17./18. Jh. erinnerten. Diese hier wurden hier aber erst Ende des 19./ Anfang des 20. Jh. gebaut. Das zeigte den Reichtum der Leute. Und zwischen diesen Prunkbauten findet man wiederum viele alte, hässliche Häuser. Das verleiht der Stadt aber auch ihren besonderen Reiz. So schlenderten wir durch die Stadt und bekamen dabei interessante Geschichten zu hören. Dabei spielte auch mal wieder der „Blue Dollar“ eine große Rolle. Überall in den Straßen wird man mit „Cambio, Cambio“ angesprochen, was so viel heißt wie Geldwechsel. In Argentinien gab es vor etwa 12 Jahren eine heftige Inflation, danach wurde eine neue Währung eingeführt die gleichwertig dem US-Dollar war. Der heutige offizielle Wechselkurs liegt etwa bei 8,80 Peso pro Dollar, die eigentliche Inflation schreitet allerdings noch viel schneller voran. Allein im letzten Jahr wurde alles 30% teurer, was der offizielle Wechselkurs nicht wiederspiegelt. Deshalb gibt es einen zweiten, halboffiziellen Wechselkurs, der bei ca. 12,5 Peso pro Dollar liegt. Die Bevölkerung hat aus Erfahrung natürlich Angst vor einer erneuten Inflation und versucht daher in einer stabilen Währung Geld zu sparen. Argentinier können aber nicht einfach zur Bank gehen und Dollar bekommen, sondern müssen einen Antrag mit Begründung stellen und bekommen nur bei Reisen einen geringen Betrag genehmigt – und zahlen dazu noch 40% Steuern. Deshalb brummt der Schwarzmarkt auf der Straße. Gut für die Touristen, die Dollar oder Euro bei sich führen und somit 30% mehr für ihr Geld bekommen als bei der Bank. Das war leider genau unser Problem, denn unsere Dollarreserven neigten sich dem Ende und so beschlossen wir, bald nach Uruguay zu fahren und uns dort wieder auszustatten. Dort gibt es nämlich US Dollar am Geldautomaten :).

Nun aber weiter zu Buenos Aires. Eigentlich wollten wir am nächsten Tag erneut eine Walking Tour durch die Stadt machen, wir schafften es auch zum Treffpunkt. Doch beim Laufen bekamen wir Karten für ein kostenloses Osterkonzert in der Oper angeboten, die wir natürlich nicht ausschlagen konnten. Und so verließen wir diese Tour nach nur 10 min und fanden uns keine 2 min später im Backpackeroutfit in der Oper wieder. Traumhaft! Angeblich von der Klangqualität die zweitbeste Oper der Welt nach der in Mailand. Am frühen Nachmittag schlenderten wir dann nach San Telmo, wo sonntags immer Marktstände sind. Was hier los war, war wie ein riesen Straßenfest. Überall live-Musik, Leute tanzten zu afrikanischer Musik, tanzten Tango und andere argentinische Volkstänze. Und so saßen wir mehrere Stunden und beobachten das bunte Treiben. Im ca. 20 min Takt wechselten die Live-Bands, die Leute tanzten dazu, sangen mit. Und während wir uns eine Flasche Wein teilten, saßen viele Einheimische mit Thermoskanne ausgestatte neben uns und tranken Mate-Tee. Das ist hier das Nationalgetränk. Überall wird das mit hingenommen. Und wenn man erzählt, dass es in Deutschland Mate-Limonade gibt, schütteln die hier alle ungläubig den Kopf. Denn für Südamerikaner gibt es nur den einzig wahren Mate-Tee. Und dabei gibt es regionale Unterschiede. So bezeichnet jedes Land seine Zubereitungsmethode als die Richtige und rümpft die Nase, wenn sie über den Mate-Tee der anderen Nationen reden. Naja, wie auch immer, ich habe es probiert und fand es echt widerlich. Angeblich ist es aber wie mit Bier, es wird von Mal zu Mal besser. Es kann also nur besser werden. Immer noch auf Wolke 7 von diesem unerwarteten tollen Tag, schwebte ich auch die nächsten 2 Tage durch Buenos Aires, was für mich bis jetzt eine der schönsten Städte auf unserer Reise war. So liefen wir durch die Reichengegend, besuchten den La Recoleta- Friedhof, auf dem auch Evita liegt und verbrachten einen Tag in Tigre, eine Art Vorort am Rio (= Fluß) Plate, wo wir eine wunderschöne Bootstour entlang der Wasserwege machten.

Und dann ging unsere Reise mit dem Nachtbus auch schon wieder weiter nach Montevideo, der Hauptstadt von Uruguay. Hier wird bei Langstreckenbussen oft Essen serviert, so wurde hier beim Einstieg das Abendessen und Frühstück ausgeteilt. Ich biss genüsslich in mein Schnitzel und als es alle war, wurde uns gesagt, dass wir im falschen Bus saßen. Da der Bus noch nicht los gefahren war, stieg ich pappesatt wieder aus, wir warteten auf den nächsten Bus, wo es wieder Essen gab. Das war echt so lustig – Situationskomik. Am nächsten Morgen sind wir ausgeschlafen in Montevideo gelandet. Montevideo selber war nicht so spektakulär wie Buenos Aires, hatte aber auch seine schönen und interessanten Ecken. So fuhren wir z.B. auf ein Hochhaus und genossen den Blick über die Stadt, wir lagen am Flußstrand (der Rio Plate ist hier 240 km breit!), der eher an einen Meeresstrand erinnerte und wir besuchten ein Denkmal, was an der Stelle stand, wo das erste Tor bei der ersten Fußball-WM geschossen wurde. Dort lief uns dann auch noch der Nationaltorwart von Panama über den Weg. Ansonsten wirkte es hier noch europäischer als in den anderen Städten die wir bis jetzt auf unserer Reise durch Südamerika besuchten. Das liegt sicher auch an der Bevölkerungszusammensetzung. Die heutige Bevölkerung setzt ich aus europäischen Migranten und afrikanischen Sklaven zusammen. Die gesamten Ureinwohner wurden ausgerottet. Und da früher niemand so wirklich hierher wollte, hatte man u.a. ein Abkommen mit den Kanaren: Dorthin wurde Essen geliefert und im Austausch dafür wurden Menschen nach Uruguay geschickt. Ganz schön abgefahren! Für die folgenden Tage entschieden wir uns Uruguay per Auto zu erkunden. Und so fuhren wir die Küste Richtung Osten entlang. Besonders schön war ein Zoo mit einheimischen Tieren. Später sahen wir sogar manche dieser Tiere auch in der freien Wildbahn, so z.B. den voll putzigen und süßen größten Nager der Welt (Carpincho). Wir stoppten in Punta del Este, einem Nobelort, der jetzt in der Nachsaison jedoch schon sehr verlassen wirkte. So hatten wir den gesamten Strand nahezu für uns alleine. Was will man mehr und das auch noch bei super Wetter. Was das Wort Nachsaison in Uruguay bedeutet bekamen wir jedoch auch in anderer Weise zu spüren. So fanden wir in Touri-Orten, die im Sommer nur so von Menschen wimmeln, keine Unterkunft. Alles hatte zu. Das einzig offene war ein Campingplatz wo wir dann auch die einzigen Gäste waren. Weiter ging es am nächsten Morgen nach Cabo Polonia. Man kommt dort mit einem 4-Wheel-Truck (= der Bus) hin oder zu Fuß über die Sanddünen. Hinzu liefen wir die 10 km, die es echt in sich hatten. Im Sand kommt einem ja alles noch länger vor. Als wir dann den Strand erreichten war die Anstrengung vergessen. Ein sehr alternativer Ort, ohne Autoverkehr, ein paar Hostels und Hotels und ein paar Pferde. Hier hätte ich locker ein paar Tage mit Nichtstun in der Hängematte und mit Baden verbringen können. Leider hatten wir aber nur den einen Tag dort und so ging es am Nachmittag mit dem Truck zurück und dann weiter nach Punta Diabolo, unserem letzten Stop in Uruguay. Auch das war ein Küstenort. Wir schlenderten am Strand entlang, und erkundeten den Nationalpark bevor es am Nachmittag wieder zurück nach Montevideo ging.

Und dann hieß es auch schon wieder Goodbye Uruguay. Wir nahmen mal wieder den Nachtbus und hatten dann nach ca. 20 Stunden Busfahrt unser neues Reiseziel, Florianopolis in Brasilien, erreicht. Besonders schön war der Empfang im Hostel. Denn dort wurden wir am Eingang gleich von John, Annes ehemaligen WG-Mitbewohner, der gerade ein paar Monate in Brasilien verbringt, empfangen. Und so verbrachten wir zu dritt ein paar schöne Tage. Außer am ersten Tag, wo wir uns am Strand die Sonne auf dem Bauch schienen ließen, spielte das Wetter leider nicht so richtig mit. Wir hatten trotzdem eine wunderschöne Zeit hier, auch wenn wir keine Wanderungen machen konnten und auch das Strandleben nicht so wie gewünscht genießen konnten. Stattdessen machten wir eine Einkaufstour in die Stadt, gingen feiern und entspannten einfach nur in einer er zahlreichen Hängematten in unserem Hostel. Leider mussten wir uns nach ein paar Tagen von John auch schon wieder verabschieden. Es waren super schöne Tage mit ihm. Auf diesem Weg wünschen wir dir natürlich noch ein paar schöne Wochen hier in Südamerika! Unser nächstes Ziel war Sao Paulo, eine Stadt mit 13 Mio Einwohnern, die wenn man die meisten Traveller fragt, nicht besonders schön ist. Uns wurde auch gesagt, dass man sie ruhig weglassen kann. Nichts desto trotz machten wir uns auf diese Stadt zu erkunden. Es gab Hochhäuser soweit das Auge reicht. Aber wenn man genau hinschaute sah man auch ganz viel Straßenkunst. Besonders imposant fand ich die zahlreichen Graffitis, mit welchen die Häuser quer durch die Stadt verziert wurden. Ansonsten hatte die Stadt echt nicht so viel zu bieten. Nochmal würde ich dort nicht hinfahren. Aber ich habe es zumindest mal gesehen. Was aber wiederum super war, war das Nachtleben. Um die Ecke von unserem Hostel war eine Kneipenstraße. Abends erinnerte hier alles an den Kiez in Hamburg. Überall junge feiernde Leute. Toll. Wir hatten auch einen Tip für einen Samba-Club bekommen, der untouristsich war. Und so gingen wir dorthin und versuchten uns beim Samba-Tanzen. Wir hatten zwar keine Ahnung wie es ging, hatten aber trotzdem jede Menge Spaß. Da es von unserer Seite in Sao Paulo nicht mehr so viel zu tun gab, verabschiedeten wir uns nach 2 Nächten und führen weiter zu Ilha Grande.

Die Ilha Grande ist eine grüne mit Dschungel und Bergen bedeckte Insel. Und dazu gibt es noch traumhafte Strände. Was will man mehr :). Und so verbrachten wir die Tage an den verschiedensten Stränden, wo man jedoch zum Teil auch bis zu 2 Stunden über die Berge hinwandern musste. Sahen dabei aber auch kleine wilde Affen. So süß! Und die Strände waren toll – weißer, feiner Sand wie in der Südsee und dazu Monsterwellen die einen fast umgehauen haben. Das war ein Spaß im Wasser! Irgendwann muss man aber auch so schönen Plätzen wie diesem Auf Wiedersehen sagen. Und so ging die Reise weiter nach Rio de Janeiro.

Mit Vorfreude auf die kommenden Tage erreichten wir bei strahlendem Sonnenschein gegen Mittag Rio. Das erste Ziel war die Copacabana, welche wir noch am gleichen Tag mit einer FreeWalking Tour besuchten. Echt cool, obwohl mir persönlich der Ipanema-Strand gleich um die Ecke mit seinen Wellen und Surfern besser gefallen hat. Das Beste war aber die Gedenktafel zur Fußball-WM 2014, wo die Brasilianer weinend und die deutschen lachend mit WM-Pokal dargestellt wurden. Wir haben uns ein Foto mit den deutschen WM-Helden nicht entgehen lassen. Am nächsten Tag wanderten wir 700m zur Christosstatue nach oben. War einer der steilsten Wege auf unserer gesamten Reise. Oben angekommen mussten wir feststellen, dass Wolken aufgezogen waren und wir nicht viel sahen. Manchmal war sogar der Christo neben uns im Wolkenmeer verschwunden. Und so warteten wir über eine Stunde dort oben bis wir endlich was sehen konnten. Und die Aussicht über Rio war phänomenal. Der Zuckerhut, die ganzen anderen Berge mit Dschungel und Favelas, Wohngegenden und natürlich die zahlreichen Strände. Am nächsten Tag besuchten wir das Stadtzentrum. War jetzt nicht so außergewöhnlich. Unweit davon war jedoch das Ausgehviertel Lapa, wo man eine der Hauptattraktionen der Stadt bestaunen konnte. Eine Treppe die mit Mosaiken aus der ganzen Welt verziert ist. Uns so fand ich dort Kacheln aus Halle oder Leipzig. Anne ist der Meinung, dass Dresden auch vertreten war, aber sich unter den Marktständen versteckt hatte. Naja, ich lass sie in dem Glauben. Abends testeten wir dann auch das Nachleben. Wir nahmen bei einen PubCrawl teil, der aber echt schlecht war. Das einzige gute waren die Leute die daran teilgenommen haben. Die Bars selber hätte ich nie ausgesucht. So waren wir am Ende z.B. im Rio Szenarium, welche unter die Top 10. Clubs der Welt gewählt wurde. Ich weiß nicht wie die dort rein gekommen sind. Die Innenausstattung war echt super, wie eine Art Museum, aber es kam absolut keine Stimmung darin auf. Was wäre Rio ohne einen Strandtag? Also verbrachten wir den nächsten Tag am Strand. Ach war das schön. Noch hatten wir 2 ganze Tage hier. Und an Attraktionen stand eigentlich nur noch der Zuckerhut auf dem Programm. Aufgrund von Regen gingen wir am ersten Tag lieber shoppen. Und wir auch echt erfolgreich beim Shoppen. Danach wurden erstmal mehrere Sachen mit Löchern aus dem Rucksack aussortiert. Den Zuckerhut besuchten wir somit am letzten Tag in Rio, es sollte der krönende Abschluss werden. Vormittags fuhren wir super Wetter nochmal an die Copacabana, welche wir entlang schlenderten und dabei die Leute beobachteten und am frühen Nachmittag machten wir uns dann auf zum Zuckerhut. Was uns dort erwartete war wie im Albtraum. Nicht nur wir hatten die Idee dort hoch zu fahren und so standen wir sage und schreibe 3 Stunden in der Schlange. Und dann haben wir auch noch den Sonnenuntergang verpasst. Das hätte ich mir echt nicht träumen lassen. Es war trotzdem traumhaft schön dort oben. Wer schon einmal in Rio war wird mir vielleicht recht geben: Es ist eine Stadt die man nicht vergisst und die einem in einen Bann reist. Diese Stadt hat was Besonderes. Von daher werde ich sicher irgendwann nochmal dorthin reisen und dann werde ich den Sonnenuntergang auf dem Zuckerhut genießen :).

Der Abschied aus Rio ist auch fast dem Abschied aus Brasilien gleich. Denn es stehen jetzt in Brasilien nur noch die Iguazu-Wasserfälle auf dem Programm. Alles in allem habe ich die Zeit hier sehr genossen. Wenn es etwas gibt was ich definitiv vermissen werde, dann ist es die offene und lebensfrohe Art der Menschen und die gefühlte Leichtigkeit im Alltag. Da kann sich Deutschland echt mal eine Scheibe von Abschneiden. Und natürlich das schöne Wetter!!!

So das war es mal wieder von mir. Wir werden uns mit neuen Abenteuern in geraumer Zeit wieder melden. Genießt den deutschen Frühling!

Bis bald, Tina

Natur pur in Patagonien und Feuerland

Hallo liebe Leser,

auf geht es für uns auf einen neuen Kontinent, wo wir nun 6 Monate lang verweilen werden! Da wir mehr oder weniger der Sonne und nicht den Ländergrenzen folgen, werden die Blogeinträge nicht mehr nur nach Ländern sortiert sein. Unser erstes Ziel war die Südspitze des Kontinents mit Feuerland und Patagonien in Chile und Argentinien.

Unsere Reise führte uns von der Osterinsel zunächst in die Hauptstadt Chiles, nach Santiago. Da verweilten wir 3 Tage bei tollstem Sommerwetter und erkundeten die sehr europäisch wirkende Stadt. Aufgrund fehlender weltbekannter Sehenswürdigkeiten schreiben die meisten Reiseführer, dass man dies auch gern auslassen kann. Völlig zu Unrecht wie ich finde. Mit vielen Parks, zahlreichen Grafittis und Kunstobjekten, die es in den Gassen zu entdecken gab, hatte die Stadt ein tolles Flair, was mir sehr gefiel. Umrandet ist sie von Bergketten, die bei klarem Wetter ein schönes Panorama abgeben. Wir erkundeten die Stadt zu Fuß und besuchten auch das Museum der Erinnerung und Menschenrechte, wo sehr anschaulich und ausführlich die Menschenrechtsverletzungen im Land aus Sicht der Betroffenen in der Zeit der Diktatur unter Pinochet zwischen 1973 und 1990 dargestellt wurden.

In den Gassen des Kneipenviertels Bella Vista feierten wir ausgiebig in Tinas Geburtstag rein und versuchten uns mit ein paar Einheimischen am Salsa tanzen. Hat nicht besonders gut geklappt, aber dafür umso mehr Spaß gemacht :D. Am Tag darauf bestaunten wir die von den Bergen eingekesselte Stadt vom nahegelegenen Hügel San Cristobel. Ein sehr schöner Anblick und gar nicht so viel Smog, wie man immer hört.

Da hier nun langsam der Sommer zu Ende geht, wollten wir erstmal in den Süden in Richtung Patagonien weiterfahren. Mit dem Nachtbus ging es daher zunächst nach Puerto Montt, eine Hafenstadt ein bisschen südlich von Santiago. Bis auf einen Fischmarkt, ein Café mit dem schönen Namen Dresden :D und die Möglichkeit, von dort aus mit der Fähre für 4 Tage ins südliche Patagonien zu fahren, hat die Stadt an sich nicht viel zu bieten, sondern ist eher für die schöne Umgebung bekannt. Diese Fähre wollten wir auch eigentlich nutzen, die „billigen“ Plätze für 400 USD waren aber bereits ausgebucht. So flogen wir für viel weniger Geld 2 Tage später nach Punta Arenas.

Dort zeigte sich das patagonische Wetter von seiner bekannten Seite. Einen Tag strahlender Sonnenschein und extremer Wind, an dem wir die Stadt erkundeten. Am Tag darauf (wir wollten eigentlich auf eine Pinguininsel fahren) war Dauerregen. Somit vertrieben wir uns die Zeit in einem Duty Free Shoppingcenter und erstanden ein paar Handschuhe für den kommenden Winter. Punta Arenas ist die südlichste Stadt des Kontinentes auf dem Festland – wir wollten aber noch weiter nach unten.

Also nahmen wir Bus und Fähre über die Magellanstraße nach Feuerland. (Wisst ihr eigentlich woher die Insel hat ihren Namen hat? Die Ureinwohner nutzten Feuer, um sich vor der Kälte zu schützen und Nahrung zuzubereiten. Die Seefahrer sind aufgrund dieser Feuer überhaupt erst auf das Land aufmerksam geworden und nannten es wegen der zahlreichen Rauchschwaden, die sie sahen, Feuerland.) Dabei überquerten wir gleichzeitig die Grenze nach Argentinien, da die Insel politisch zweigeteilt ist. Aus dem Bus heraus konnte man schon die zahlreichen einheimischen Lamas, die Guanacos, beobachten. So niedlich! Abends kamen wir in der südlichsten Stadt der Welt, in Ushuaia, an. Die Stadt, auch das selbsternannte Ende der Welt, ist sehr touristisch, von Bergen und dem Beagle-Kanal umgeben und wirkt ein bisschen wie ein größerer Alpenskiort. Sehr sehr hübsch, aber leider auch extrem teuer aufgrund seiner Lage, die sich natürlich gut vermarkten lässt. Wir dachten eigentlich, Neuseeland wäre unser am meisten kostspieliges Reiseland, aber das müssen wir leider revidieren. Das Ende der Welt habe ich mir generell ein wenig anders vorgestellt, nicht so geschäftig mit zahlreichen Restaurants und Läden. Da kommt einem ja Brandenburg z.B. viel provinzieller vor ;). Zudem ist Ushuaia der Ausgangspunkt für Kreuzfahrten in die Antarktis. Da dies so interessant klingt, haben wir auch mal kurz mit dem Gedanken gespielt. Ein Blick auf die Preise holte uns aber schnell zurück auf den Boden der Tatsachen… 

Gleich in der Nähe der Stadt liegt der Nationalpark Tierra del Fuego, der natürlich besucht werden musste. Wir beschlossen, den höchsten Aussichtspunkt zu erwandern, was sich mehr als gelohnt hat. Man hatte Aussicht auf den Beagle-Kanal und die ganzen kleinen Inseln bis fast zum Kap Horn, im Norden die Gletscher Patagoniens und auch auf Ushuaia. Bei strahlendem Sonnenschein, keinem Wind und 15°C zeigte sich Feuerland auch von seiner besten Seite :)!

Am nächsten Tag folgte das Highlight, was in Punta Arenas leider ins Wasser fiel – wir besuchten eine Pinguininsel (San Marillo). Dort leben ganzjährig die Eselspinguine und während der Brutzeit auch die Magellanpinguine. Und weil wir ganz besonders artig waren, watschelten uns am Strand auch gleich zwei riesige und prachtvolle Königspinguine entgegen. In Neuseeland warteten wir stundenlang darauf, dass mal ein Pinguin an Land kommt – hier standen Tausende herum und wir konnten dazwischen umherlaufen. Einfach unfassbar! Man konnte sich gar nicht satt sehen und der Fotoapparat stand kaum still. Schaut es euch einfach an :).

Um unsere Reisekasse nicht allzu sehr zu strapazieren, wanderten wir am nächsten Tag zur Laguna Margot auf einem Berg gleich hinter der Stadt. Auch hier hatten wir wieder tolle Ausblicke, sahen einen Gletscher und liefen durch die einheimischen Wälder. Diese Route steht aber auf keiner Karte und wird auch nicht beworben, wahrscheinlich weil sich damit kein Geld verdienen lässt. Das war aber unser Glück, den uns begegnete auf der ganzen Strecke kein einziger Mensch! Wunderbar.

Nach 3 Tagen verabschiedeten wir uns aus Feuerland und brachen auf ins nächste Abenteuer – Trekking im wohl bekanntesten Nationalpark von Chile: dem Torres del Paine. Wir wollten gern den berühmten W-Trek in 4 Tagen laufen und zwischendrin Zelten. Also füllten wir in Puerto Natales unsere Essensvorräte auf, ließen alle Sachen, die wir nicht benötigten, im Hostel und fuhren früh mit dem Bus in den Park. Am Busbahnhof standen mindestens 10 Busse und dementsprechend viele Menschen, was schon mal jede Illusion einer schönen einsamen Wanderung wie in Feuerland platzen ließ. Uns hatte übrigens vorher jemand erzählt, dass er noch keinen Menschen getroffen hat, der am Torres del Paine gutes Wetter hatte. Wir fuhren aber bei schönstem Sonnenschein in den Park und uns strahlten die 3 Türme bereits von weitem an. Unser Plan, erst am letzten Tag zu den Torres hinaufzuwandern wurde daraufhin kurzerhand über den Haufen geworfen und wir stiegen gleich rauf. Am Parkeingang, wo einem erstmal wieder Geld abgeknöpft wird, sahen wir aber etwas ganz tolles und seltenes: einen Puma! Zum Glück (?) nur aus dem Bus heraus und damit auch ohne Foto, denn ich wüsste nicht so genau wie ich dem Kätzchen gegenübertreten sollte, wenn es direkt vor mir steht. War aber wunderschön anzusehen und scheinbar kommen nur ganz wenige in den Genuss. Scheinen wir also doch Glückskinder zu sein :).

Gegen Mittag sahen wir bereits immer mehr Wolken aufziehen, und es dauerte dann auch nicht mehr lange, bis es anfing zu regnen. Aber da das Wetter ja oft wechselt, waren wir trotzdem guter Dinge. Wir kamen am ersten Zeltplatz an, bauten erstmal unseren Schlafplatz auf und warteten ein bisschen den Regen ab. Zum Gipfel war es noch eine knappe Stunde Fußmarsch, was ohne das ganze Gepäck ja ein Klacks war. Traditionell geht man wohl zum Sonnenaufgang hinauf – aber wer weiß was das Wetter morgen so vorhat. Trotz Wolken beschlossen wir also, noch hinaufzugehen. Alle uns entgegenkommenden Leute berichteten allerdings, dass man die Türme gar nicht sieht. Oben an der Lagune angekommen waren wir gegen 17 Uhr ganz allein, alle Tageswanderer waren schon weg. Sicht war zunächst keine, dafür gab es einen Cache und da es nicht kalt war, warteten wir ab. Und tatsächlich zog es sich immer mehr auf, so dass schließlich alle 3 Spitzen sichtbar waren. Wahnsinn! Ein wirklich fantastischer Anblick, und in der einen Stunde die wir oben verbrachten kamen nur 5 Leute vorbei. Glücklich kochten wir unterm Shelter auf dem Camp unser Abendessen und erzählten den anderen Campern von unseren Erlebnissen. Sie waren neidisch, zu Recht, denn alle die noch am selben Abend bzw. am nächsten Morgen zum Sonnenaufgang hinaufstiegen, erlebten statt der Türme nur einen Schneesturm.

Wir schliefen lieber ein bisschen länger, mussten aber leider trotzdem im Regen loslaufen. Leider traf an diesem Tag auch die Tatsache des wechselhaften Wetters nicht zu – es war beständig schlecht. Erst als wir erschöpft und ein bisschen feucht am Zeltplatz ankamen, klarte es ein bisschen auf. Na toll! Es war sehr stürmisch aber auch recht warm, so dass sich auch die Mäuse wohlfühlten und freudig Löcher in unser Zelt knabberten. Glücklicherweise hatten wir noch genug Panzertape, das Ganze zu flicken. Und als uns früh die Sonne entgegenstrahlte, war die Laune wieder prächtig. Der Schein sollte trügen, bereits nach einer knappen Stunde Fußmarsch fing es an zu regnen, diesmal sogar richtig heftig. Wir wurden nicht nur nass bis auf die Knochen, es wurde auch die Aussichtsplattform im French Valley, eines der Seitentäler des W, 50m vor uns geschlossen. Die Wege waren Seen von Pfützen und Schlamm, bei den Bachüberquerungen bemühten wir uns schon gar nicht mehr, von Stein zu Stein zu springen sondern gingen einfach durch und der Wind peitschte kalt ins Gesicht. Die Frage nach dem Warum ging uns den gesamten Weg über durch den Kopf. Und wenn man denkt, es geht nicht schlimmer, fällt man prompt in den Schlamm ;). Irgendwann kamen wir dann aber an der (ungeheizten!!!) Hütte Paine Grande an, wo wir heute Nacht unser Zelt aufschlugen. Eine halbe Stunde heiß duschen rettete uns vorm Erfrieren! Einige der Leute, die mit uns gestartet sind, nahmen abends die Fähre zurück, wir wollten aber dennoch nicht aufgeben. Und zum Glück, denn gegen Mittag am letzten Tag zogen doch tatsächlich die Wolken auf und wir sahen den Gletscher Grey und auch endlich die Berge, um die wir die ganze Zeit ahnungslos gewandert waren. Ich glaube, bei gutem Wetter kann die Sache wirklich Spaß machen :).

In Puerto Natales hatten wir noch einen Tag zur Erholung und zum Trocknen, in einem sehr familiären Hostel mit lustigen Leuten. Und ich brauche wohl nicht erwähnen, dass der Wetterbericht für die nächsten 7 Tage Sonne pur vorausgesagt hat. Aber wenigstens kam es auch uns zugute, denn wir fuhren zwar wieder über die Grenze nach Argentinien, aber gar nicht so weit weg – nach El Calafate zum wohl schönsten Gletscher der Welt: dem Perito Moreno. Er ist einer der wenigen weltweit, die noch wachsen – jeden Tag ganze 2 Meter. Und er sieht wahrhaft prächtig aus, 60m hohe und über 1km breite Eismassen ragen aus dem Lago Argentina hervor. Aus nur 200m Entfernung kann man auf sehr schön angelegten Wegen und Plattformen dieses unwirklich scheinende Naturwunder beobachten und auf den spektakulären Moment warten, wo ein riesiges Stück abbricht und mit einem gewaltigen Knall ins Wasser fällt. Besser als jedes Kino sag ich euch! Alle ein paar Jahre wächst der Gletscher sogar bis ans Festland und schnürt einen Arm des Sees ab. Dadurch wird der Druck immer größer und das Eis wird von unten ausgespült – bis es irgendwann nicht mehr hält und die riesige Eismasse in sich zusammenfällt. Dieses seltene Phänomen war uns aber nicht gegönnt.

Nach einem Tag radeln am See, wo wir Flamingos beobachten konnten (und leider Dank eines Platten den Rückweg schieben durften), ging es weiter nach El Chalten. Dies ist ein kleines Dorf umgeben von zahlreichen Bergen, unter anderem die 3000er Cerro Fitzroy und Cerro Torre. Wir entschieden uns diesmal im Hostel zu schlafen – zum einen weil wir ein sehr günstiges fanden, alles per Tagestrips erreichbar war und auch weil wir keine Lust auf eine zweite Erfahrung a la Torres del Paine hatten. Diesmal waren wir aber vom Glück verfolgt, 4 Tage lang super Wetter, traumhafte Bergkulissen, bunte Herbstwälder und wunderschöne Wanderwege. Wir erkundeten fast den gesamten Nationalpark und wanderten viele Kilometer, sahen Kondore ganz nah über uns schweben und wurden mit ganz viel Sonne belohnt :). Für mich eines der besten Wandergebiete. Schaut euch die Bilder an! Wir trafen Leute, die auch im Torres del Paine bei schönem Wetter waren und sie meinten, dass die Berge fast identisch sind. Haben wir also gar nicht so viel verpasst!

Glücklich und mit wunden Füßen verließen wir das Bergdorf nach 5 Tagen wieder und fuhren weiter gen Norden nach Bariloche. Mitten im Seengebiet gelegen und umgeben von zahlreichen Bergen ist die Stadt Ausgangspunkt für zahlreiche Outdooraktivitäten und ein Skiort im Winter. Zudem ist sie die Schokoladenhauptstadt des Landes, jeder zweite Laden verkauft hier frische Schokolade. Da wir gerade zu Ostern dort waren, wurden wir sogar Zeuge eines Schokoladenfestes. Dessen Höhepunkt, die Schlachtung eines riesigen Schokoladenostereis am Ostersonntag, verpassten wir leider, aber das Ei selbst konnten wir bewundern. Ich hatte schon große Lust da reinzubeißen. Eine andere Spezialität des Landes gönnten wir uns ebenfalls hier zu unserem Bergfest (-schluchz-): ein leckeres argentinisches Rindersteak. Uns wurde erzählt, dass es hier das Beste der Welt gibt und wir wurden nicht enttäuscht. Ein Genuß :). Kein Wunder also, dass vor der Öffnung des Restaurants bereits Leute Schlange standen.

Natürlich haben wir nicht nur gegessen, sondern uns auch wieder viel in der Natur bewegt. An einem Tag war Nationalstreik und es fuhren keine Busse. So mussten wir also versuchen zu trampen um in den nahegelegenen Nationalpark Nahuel Huapi zu gelangen. Zusammen mit zwei Freunden aus England, die wir in Puerto Natales im Hostel kennenlernten, stellten wir uns an die Straße. Noch während wir uns unterhielten, wo wir am besten aussteigen wollen, hatte Tinas „magischer Daumen“ bereits Erfolg und gleich das erste Auto hielt. Ein netter älterer Herr, der nur Spanisch sprach, nahm uns erstmal mit nach Hause und lud uns auf Mate und Bier ein. Anschließend fuhr er uns einmal quer durch den Nationalpark, wanderte ein Stück mit uns und erzählte uns viel über die Gegend und das Leben dort. Somit kamen wir nicht nur in den Genuss eines Tourguides, sondern konnten auch gleich ein bisschen Spanisch sprechen üben. Zu viert hatten wir tatsächlich genügend Kenntnisse, um Diskussionen über die politische Situation des Landes zu führen :D. Toller Tag! Tina und ich erwanderten am nächsten Tag auch noch den Cerro Catedral bis zu einem Refugio, was besonders bei Kletterern beliebt ist. Ein schöner Weg durch den bunten Herbstwald – allerdings gab es oben aufgrund des wechselhaften und stürmischen Wetters auf den Bergen leider keine gut gebauten Kletterer zu bewundern.

Nach etwa einem Monat im Süden des Kontinents verabschiedeten wir uns schließlich aus Patagonien. Es ist ein unglaublich faszinierendes Flecken Erde mit atemberaubender Natur und ein Paradies für alle Outdoorfanatiker. Wir hätten problemlos noch einen Monat länger dort verbringen können, aber es gibt in Südamerika ja noch so viel mehr zu entdecken. Müssen wir also mal wieder kommen, natürlich bei schönem Wetter im Torres del Paine ;). Zunächst aber setzten wir uns in den Bus nach Buenos Aires und tauschten die Wanderschuhe erstmal wieder gegen FlipFlops ein :).

Dazu bald mehr!

Fühlt euch lieb gegrüßt,

Eure Anne

Südseeträume

Weiter ging es nach Tahiti. Meine Vorstellungen sind hier von diversen Hochglanzbroschüren aus Deutschland ziemlich hoch gesteckt. Es ist ja nicht umsonst auch ein Traumziel für Flitterwochen. Auf dem Flughafen wurden wir erst einmal von HulaHup-Tänzerinnen mit Blumenkette empfangen. Irgendwie kam es mir vor wie in einer Hollywood-Schnulze. Ist das das was die typischen Touristen hier wollen? Da wir nachts ankamen und das Geld für eine Unterkunft sparen wollten, suchten wir uns ein bequemes Plätzchen auf dem Flughafen. Haben auch beide gut geschlafen. Als wir am nächsten Morgen von 2 Touristen auf dem Flughafen ein Essenpacket bekommen hatten, kam ich mir zwar ziemlich blöd vor, hatte mich aber auf das frische Obst und den Kuchen gefreut. War echt lecker. Anscheinend hatten die Mitleid mit uns. Sahen wir echt so armselig aus?

Wir fuhren dann noch vor 6 Uhr mit dem Bus nach Papeete, der Hauptstadt von Tahiti, von wo aus wir kurze Zeit später die Fähre nach Moorea nahmen. Nach 30 minütiger Überfahrt erreichten wir diese kleine Urlaubsinsel. Der Anblick der Insel war atemberaubend. Steile Berge mit über 1000 Höhenmeter mit Regenwald bewachsen, davor weißer Strand mit Palmen und türkisblaues Wasser. Also lügen die Reiseveranstalter doch nicht, dachte ich mir. Weiter ging es dann zu unserem Couchsurfer Dom. Wir wurden herzlich empfangen. Dom, ein Franzose, hatte auch gleich noch einen polynesischen Gast bei sich. Mit der Verständigung auf französisch gestaltete es sich leider etwas schlechter als gedacht. Annes und mein Schulfranzösisch war irgendwo in der hintersten Ecke unseres Gehirns verkramt und kam auch während der gesamten Zeit nicht so richtig hervor. Zum Glück konnte Dom gut Englisch. Er wohnte in der Cooks-Bay. Traumhafte Lage, nur 50 m vom Meer entfernt. Nach einem kurzen kennen lernen und ein paar Erledigungen entschieden wir uns an den öffentlichen Strand zu fahren. Da die Transportmitteldichte bei nahezu 0 lag (Busse fahren nur, wenn mal eine Fähre nach Tahiti fährt oder auch ankommt), war unsere einzige Möglichkeit per Anhalter zu fahren. Das hat die gesamte Zeit auch super geklappt. Am Strand war es toll. Warmes Wasser und Riff mit vielen, vielen bunten Fischen. Haben zwar keinen Nemo gesehen, waren aber trotzdem glücklich. Abends kochten wir dann und saßen mit Dom in seiner einfachen Behausung und quatschten über Gott und die Welt. Am nächsten Tag hatten wir ein Auto gemietet um die Insel zu umrunden. Besonders schön war der Ausblick von oben. Dort hätte ich Stunden sitzen können. Da wir ja auch mal so ein Luxushotel von innen sehen wollten, stoppten wir natürlich auch dort. Wir liefen selbstverständlich hinein. Und es war echt der Hammer. Die Hotels auf Stelzen im Wasser gebaut, das Riff darunter und dazu noch Delfine! Und das bekommt man alles für stolze 500 Euro die Nacht. Wenn man ansonsten baden wollte, musste man halt an einen der wenigen öffentlichen Strände kommen, diese waren aber nicht weniger schön. Und da wir ja im Urlaub sind haben wir den Folgetag auch nur am Strand verbracht. So ging es nach 3 Tagen auf dieser süßen kleinen Insel wieder hinüber nach Tahiti, wo wir ebenfalls 3 Nächte gebucht hatten.